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Keinen Raum für Antisemiten in Wuppertal und anderswo!

7. Mai 2011 9:30 Uhr Kundgebung vor der Uni-Halle in Wuppertal

Schluss mit den Raketenangriffen auf Israel und den Selbstmordattentaten gegen israelische Zivilisten!
Frieden und ein würdiges Leben für alle Menschen in Palästina und Israel!

Am 7. Mai 2011 treffen sich in Wuppertal ab 10:00 Uhr mehr als 5.000 SympathisantInnen der Hamas und Fatah zu ihrer 9. europäischen Konferenz. Organisiert wird das ganze u.a. von der Pälästinensischen Gemeinschaft Deutschlands, einer Gruppierung, die schon länger zusammen mit dem Palestinian Return Centre an einem Bündnis von Fatah mit religiösen Kräften insb. der Hamas arbeitet. Die Konferenz in der Uni-Halle hat eine unerwartete Brisanz bekommen. Nur wenige Tage nach der „feierlichen Versöhnung“ in Kairo und der erneuten Feinderklärung gegenüber Israel präsentiert sich in Wuppertal das neue Bündnis der antisemitischen und terroristischen Hamas-Bewegung mit der Fatah.

Vorneweg: Auch wir teilen manche Kritik an Israels Besatzungspolitik, wir kritisieren die Siedlungspolitik des rechtsradikalen Außenministers Lieberman und den antiarabischen Rassismus in Teilen der israelischen Gesellschaft. Uns sind die Lebensgeschichten der palästinensischen Flüchtlinge nicht egal. Und wir haben – wie viele palästinensische Familien in Deutschland – um die zivilen Opfer des Gaza-Krieges getrauert.

Aber: Unsere Trauer und unsere Sorge ist nicht teilbar. Wir trauern genauso um die zivilen Opfer der palästinensischen Raketenangriffe in Israel und um die zahllosen Opfer der Selbstmordattentate, die sowohl von der Hamas und der Fatah politisch verantwortet werden.
Wir demonstrieren daher am 7.Mai vor der Uni-Halle gegen dieses neue Bündnis. Es ist am Vorabend des Befreiungstages vom Nationalsozialismus ein Unding, das sich in Wuppertal Organisationen treffen, die explizit Selbstmordattentate gegen unbeteiligte ZivilistIinnen in Israel organisiert und durchgeführt haben. Das gilt auch für die Fatah, die mit ihren al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden zahllose israelische Zivilisten ermordet hat. Keine „Befreiungsbewegung“, keine Ideologie und Religionsgemeinschaft der Welt hat das Recht unbeteiligte Menschen zu töten.
Diese „Politik“ ist die altbekannte Sprache der Faschisten. Wir erinnern nur an die faschistischen Attentate von Bologna 1980, von München 1980, an Corum, Maras und Sivas und an die Verbrechen der Islamisten am 9/11 in New York, an die Attentate von Madrid und London und zuletzt in Marrakesch.

Antisemitismus: Wir demonstrieren hier heute auch gegen die antisemitische Hamas. Wir brauchen uns hier nicht ausführlich über das politische Programm der Hamas auszulassen. Bekanntlich vertreten diese radikalen Islamisten einen offenen Antisemitismus, leugnen zu weil den Holocaust und propagieren offen die Zerstörung Israels. Auch nach innen versucht die Hamas mit ihren Sicherheitskräften und religiösen Tugendwächtern insbesondere im Gaza-Streifen ihre Vorstellung von einem islamischen Gottesstaates gewaltsam durchzusetzen. Gleichzeitig können Islamisten aller Richtungen unter der Oberaufsicht der Hamas aus dem Gaza-Streifen Tag für Tag Grenzdörfer in Israel mit Raketen beschießen.
Die Hamas, als palästinensische Filiale der Muslimbruderschaft entstanden, wurde zunächst vom israelischen Geheimdienst finanziell unterstützt und als Gegenkraft zur säkularen Fatah aufgebaut. Die Hamas machte sich aber schnell selbstständig. Ihre neuen Geldgeber kamen diesmal aus Syrien und Iran. Am meisten profitierte die Hamas aber von den kriminellen und korrupten Machenschaften der palästinensischen Autonomiebehörde unter PLO-Chef Arafat. Arafat und seine Fatah leiteten die internationalen Hilfsgelder geschäftstüchtig an ihre eigenen Familien und ausländischen Bankkonten weiter, während die Lebensbedingungen für den Großteil der palästinensischen Bevölkerung immer schlechter wurden. Dies machte sich die Hamas mit ihren karikativen sozialen Netzwerken zu Nutze. Sie konnte sich tief in der palästinensischen Gesellschaft verankern und gewann sogar die Wahlen im Gaza-Streifen mit haushoher Mehrheit.
Auch wenn die Mehrheit der PalästinenserInnen zumindest im Gaza-Streifen hinter der Hamas steht, und Hamas in der Zukunft sogar als Verhandlungspartner von Israel akzeptiert werden muss, sind die Verbrechen der Hamas, die Selbstmordattentate und der dauerhafte Raketenbeschuss gegen die israelische Bevölkerung nicht vergessen. Die Bestrafung der Mörder und der verantwortlichen Hintermänner bleibt auf der Tagesordnung. Dies gilt natürlich auch für die bewaffneten Gruppen der Fatah und vom islamischen Dschihad.

Brot und Würde: Ehrlich gesagt waren wir angesichts der politischen Lage in Palästina/Israel in den letzten Jahren tief deprimiert. Seit den Aufständen in Tunesien, Ägypten, Syrien, Jemen und Libyen gibt es wieder neue Hoffnung. Wir sind sehr bewegt über den Mut und die Solidarität der Aufständigen, über die neue Rolle der Frauen im Aufstand und der Bewegung der arbeitslosen Unterschichten, der sich bald verschiedenste Jugendliche und Gewerkschaften anschlossen. Für diese Bewegungen ist der Kampf um Menschenrechte und Demokratie direkt verwoben mit dem Kampf um soziale Rechte, gegen Perspektivlosigkeit und die neoliberale Wirtschaftspolitik.

Auch im Gaza-Streifen rührt sich bei aller Übermacht der Hamas etwas. Uns hat der Aufruf der Gaza-Youth sehr gut gefallen. Er macht Hoffnung auf eine gesellschaftliche Alternative jenseits von Hamas, und der korrupten PLO.

„ Fuck Hamas. Fuck Israel. Fuck Fatah. Fuck UN. Fuck UNRWA. Fuck USA! Wir, die Jugend in Gaza haben genug von Israel, der Hamas, der Besatzung, den Verletzungen der Menschenrechte und der Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft! Wir wollen schreien und die Mauer des Schweigens, der Ungerechtigkeit und der Teilnahmlosigkeit durchbrechen wie die israelischen F-16 Kampfbomber die Schallmauer durchbrechen; Wir wollen schreien mit all der Kraft in unseren Seelen, um die gewaltige Frustration herauszulassen die uns zerstört aufgrund dieser furchtbaren Situation in der wir leben; (…) Wir sind es Leid in diesem politischen Kampf gefangen zu sein, wir sind die rabenschwarzen Nächte leid, in denen Flugzeuge über unseren Häusern kreisen. Wir sind es leid, dass unschuldige Bauern in der Sicherheitszone erschossen werden, weil sie ihr Land bestellen wollen. Wir sind die bärtigen Typen leid, die mit ihren Waffen herumlaufen und ihre Macht missbrauchen, die junge Leute schlagen oder einsperren, weil sie für das demonstrieren, an das sie glauben.

Wir sind die Mauer der Schande leid, die uns vom Rest des Landes trennt und uns gefangen hält in einem Stück Land, das so groß ist wie eine Briefmarke. Wir sind es leid als Terroristen dargestellt zu werden, als hausgemachte Fanatiker mit Sprengstoff in den Taschen und dem bösen Blick in unseren Augen. Wir sind die Teilnahmslosigkeit leid, die wir an der internationalen Gemeinschaft sehen, wie diese so genannten Experten ihre Sorgen auszudrücken und Resolutionen zu entwerfen, aber Feiglinge darin sind, die Dinge auch durchzusetzen, auf die sie sich geeinigt haben. Wir sind krank und müde weil wir ein schreckliches Leben führen, von Israel in einem Gefängnis gehalten werden, die Hamas uns verprügelt und wir vollkommen ignoriert werden vom Rest der Welt.“

Soweit das Zitat aus dem Aufruf. Den kompletten text findet ihr unter http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/wie-laeuse-unter-den-naegeln/

Wer für eine gerechte und friedliche Welt im Nahen Osten eintreten will, der muss die Politik der Massaker und Raketenangriffe beenden und die Täter bestrafen. Der muss endlich das Existenzrecht Israels anerkennen und für einen demokratischen und lebensfähigen palästinensischen Staat sorgen, der im Frieden mit Israel lebt.

Salām! Shalom ! Wir grüßen die fortschrittlichen, friedliebenden und die emanzipatorischen Kräfte in Palästina und Israel! Wir grüßen die Bevölkerung unserer Partnerstadt Beer Sheva und die ehemaligen jüdischen WuppertalerInnen in Israel.
Wir grüßen die Graswurzelbewegungen in Israel und Palästina, die sich mutig gegen den Hass wehren.

Nie wieder Faschismus – nie wieder Auschwitz – nie wieder Krieg!

Pressemitteilung 25 Jahre Autonome 1.Mai Demo in Wuppertal

(Den JournalistInnen gewidmet, die nicht nur Presserklärungen der Polizei abschreiben.)

Friendly fire für die Wuppertaler Polizei!

Bei bestem Wetter und leichten Windböen zogen 300-400 FreundInnen des Autonomen 1.Mai im 25 Jubliläumsjahr durch Wuppertal und feierten ein wunderschönes Straßenfest ohne Giraffe auf dem Schusterplatz. Inhaltlich ging es vor allem um den Kampf für ein würdiges Leben ohne Hartz IV, Niedriglohn und Ein Euro-Zwangsdienste und natürlich für ein Bleiberecht für alle. Wegen der massiven, dummen und brutalen Polizeipräsenz fehlte es auch nicht an Parolen und (mehrstimmigen) Gesängen zu Polizeigewalt. Glücklicherweise konnten wir aus dem reichhaltigen Parolenfundus aus 25 Jahren 1.Mai-Geschichte schöpfen.
Auftakt der Demo war vor dem Autonomen Zentrum in Wuppertal. Die Polizei war – wie jedes Jahr- überrascht, dass keine polizeiliche Anmeldung vorlag und begab sich – wie letztes Jahr- auf die Suche nach Betrunkenen, die die Rolle des Demoanmelders im Auftrag der Polizei spielen sollten. Im Vorfeld hatten die mindestens 400 Bullen alle Zuwege zum AZ und die Elberfelder Nordstadt besetzt und zum 1.Mal in der langen Geschichte des 1.Mai in Wuppertal Vorkontrollen inklusive „Leibesvisitationen“ durchgeführt. 24 DemonstrantInnen bekamen bereits am Hauptbahnhof einen Platzverweis für ganz Elberfeld. In ihren Kontrollen blieb dann auch der LKW mit unserer Lieblingsgiraffen-Hüpfburg fürs Straßenfest hängen. Auch das werden insbesondere die Kinder der Nordstadt der Polizei nicht verzeihen…

Ohne darauf zu warten, das die Wuppertaler Polizei sich einen eigenen Demoanmelder bastelt, zog dann die Demo gutgelaunt – bei leichten Windböen – die Markomannenstrasse hinauf und gelangte zu einer doch dürftig besetzten Polizeiabsperrung, die relativ locker umgegangen werden konnte. Erst in der Friedrichstrasse / Ecke Friedrichschulstrasse gelang es einer Bullenarmada die Demo zu stoppen. Sie prügelten, schuptsten, jagten DemonstrantInnen und setzen bei leichten Windböen ihre neue Allzweckwaffe Pfeffergas ein. Sie wollten – wie schon bei den brutalen Angriffen auf AntifaschistInnen am 29.1. – DemonstrantInnen mit Pfeffergas verletzten, beschossen aber auch ihre PolizistenkollegInnen. Das dieses friendly fire der Bullen, also die „schwere Verletzung“ der Polizistin, jetzt den 1.Mai-DemonstrantInnen per Pressemitteilung untergeschoben werden soll, ist billig.
Peinlich ist aber vor allem, das die (gut?) bezahlten „JournalistInnen“ einfach die Polizeimeldung abschreiben.
Wir jedenfalls wünschen der verletzten Polizistin gute Besserung und mehr Übersicht bei der Berufswahl. Die gewerkschaftlichen VertreterInnen der Bullen erinnern wir an die gesundheitlichen Schäden ihrer Lieblingswaffe (siehe unten)…

Vielen Dank an alle, die uns in den letzten 25 Jahren unterstützt haben!

Vielen Dank an die kleinen und großen MusikerInnen und Djs, an die Vokü, an den EA, an die Sanis, an die TechnikerInnen, an die Auf- und AbbauhelferInnen, an die DemobeobachterInnen, an den Waffelstand, an die Kinder vom Schusterplatz, an die bergische Sonne und an den bergischen Wind.

„You don’t need a weatherman to know which way the wind blows“

Tagesparole „Ganz Wuppertal hasst die Polizei!“

Zum Einsatz von Pfeffergas
http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/polizist-besprueht-seinen-chef-mit-pfefferspray/4079112.html
http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/050/1705055.pdf

25 Jahre Autonome 1.Mai Demo in Wuppertal Interview Teil 2

Die „dienstälteste“ autonome 1.Mai Demo in Germany, der Autonome 1.Mai und das Straßenfest auf dem Schusterplatz geht in Wuppertal in die 25. unangemeldete Runde. Wir hatten erneut die Gelegenheit, mit verschiedenen Stein-Alten und Jung-AktivistInnen aus dem Bergischen Land zu reden:

Was treibt euch am 1. Mai auf die Strasse?

Husch-Husch: Wir können nicht anders. Es gibt in Wuppertal seit dem Beginn der Industrialisierung, seit ca. 1800 die Gewohnheit und das Recht am 1. Mai umzuziehen. Der 1. Mai war der zentrale Umzugstag, an diesem Tag packten die ProletarierInnen ihr gesamten Hab und Gut auf Leiterwagen und zogen um ins nächste schäbige Quartier.
Manuel Neuer: Diese Tradition der Umzüge und Unordnung, der Unorganisierbarkeit, der Sichtbarkeit von Armut und Reichtum, der Demonstration der prekären Lebensverhältnisse im realexistierenden Kapitalismus hat sich natürlich verdichtet mit den 1. Mai-Traditionen der (internationalen) ArbeiterInnenbewegung, der anarchistischen Elberfelder BombenlegerInnen um August Reinsdorf, der KatzenmusikerInnen und der streikenden Färbergesellen, aber auch der 1. Mai-Ausflüge der SozialdemokratInnen und Gewerkschaften.
Mina Knallenfalls: Der 1.Mai war immer wieder ein Kristallisationspunkt von Widerstand und sozialen Bewegungen im Wuppertal. Neben den illegalen 1. Mai-Ausflügen zu Zeiten des Sozialistengesetzes und während des ersten Weltkrieges setzte sich in der Weimarer Republik die Straßendemonstration mit anschließender Maifeier durch.
Günter Pröpper (Fußballgott): Natürlich machte die zunehmende Spaltung der deutschen ArbeiterInnenbewegung nicht vor den 1. Mai-Demos in Wuppertal halt. Seit 1930 ging der radikale Teil der Arbeiterbewegung, die KommunistInnen, die AnarchosyndikalistInnen und die KarabinerkommuistInnen eigene, von den SozialdemokratInnen getrennte Demowege. In Elberfeld starteten sie nunmehr am Platz der Republik und zogen zum Schusterplatz auf den Ölberg. Zeitzeugen berichteten, dass Otto Böhne auf dem alten Pissoir auf dem Schusterplatz die Grundsatzreden zu halten pflegte… 1986 haben GenossInnen an diese eigensinnige Umzugstradition wieder angeknüpft. Näheres kann man ja unserem Aufruf entnehmen.
Jürgen Klopp: Ich freue mich sehr auf das 1. Mai-Wochenende, weil fast überall was los ist. Große Demos gibt’s in Berlin und Hamburg, traditionsreiche autonome Demos auch in Oldenburg, Nürnberg und in vielen anderen Städten. In Berlin wird es zusätzlich anläßlich des 10. Todestages von Carlo Guilani eine Eröffnung des Carlo-Guiliani-Gedächtnisparks geben (http://food4action.blogsport.de/2011/04/19/1-mai-2011-carlo-giuliani-park-in-berlin-kreuzberg/). In Dortmund findet zum 2.Mal der Euromayday statt, den wir von unserem bergischen Euromayday in Wuppertal herzlichst grüßen!!! Die Mobilisierung in Dortmund wird gigantisch sein, wenn wir am Samstag Meister werden…
Manuel Neuer (bester Torhüter der Welt): Das mit der Meisterschaft kann man aber auch anders sehen. Wer sich den schwarzgelben Irrsinn nicht anschauen mag – wie ich –, fährt schnell inne andere Stadt…. In Wuppertal findet zum ersten Mal am Vorabend eine Nachttanzdemo statt. Am Morgen zieht der DGB durchs Tal und um 14.00 Uhr starten wir vor dem AZ an der Gathe.


Zuckerfritz: Was macht die Polizei zum 25. Jubiläum? Die letzten Jahre waren ja von erheblichen Übergriffen der hiesigen Bereitschaftspolizei überschattet.
Husch-Husch: Schwer zu sagen. Beim Nazi-Aufmarsch am 29.1. haben sich die Bullen ja ziemlich blamiert. Sie hatten nichts unter Kontrolle und der antifaschistische Widerstand konnte überraschend gut und treffsicher agieren. Auf der anderen Seite ließen sie auch große Nazitrupps unbehelligt durch Wuppertal laufen, die aber zum Glück von Antifagruppen verjagt werden konnten. Einige Nazis mussten sich sogar ins Polizeipräsidium flüchten, was uns sehr erfeut hat. Die Polizei agierte insgesamt grottenschlecht. Sie schützen die Nazis, schauten weg, wenn die Nazis vermummt auftraten, SA-Lieder sangen und zum Mord am politischen Gegner aufriefen und griffen gleichzeitig das gesamte breite Antifa-Bündnis mit Pfeffergas an. Soviel dummdreiste Polizeibrutalität merken sich auch die FDP-AktivistInnen und die Freunde der rot-grünen NRW-Koalition im Bündnis.
Mina Knallenfalls: Auf jeden Fall war für uns der autonome 1.Mai in Wuppertal immer verknüpft mit den sozialen Auseinandersetzungen und Kämpfen. 1986 waren wir stark in Häuserkämpfe involviert und demonstrierten vor dem AKW in Brokdorf und in Wackersdorf, später stritten wir gegen die Volkszählung und solidarisierten uns mit den Streikenden in Rheinhausen. Im gleichen Jahr elektrisierten uns die Kämpfe um die Hamburger Hafenstrasse. 1989, im Jahr der „Wende“ solidarisierten wir uns mit den Hungerstreikenden in den Knästen und kämpften und besetzten Häuser für ein Autonomes Zentrum in Wuppertal. Die Neunziger standen ganz im Zeichen von antifaschistischer und antirassistischer Mobilisierung, wir organisierten nach dem Brandanschlag von Solingen zusammen mit MigrantInnen Nachtwachen gegen die Nazis, blockierten den Bundestag wegen der Abschaffung des Asylrechtes, enterten einen Abschiebebus und besetzten zusammen mit kurdischen Flüchtlingen die Gemarker Kirche. Später bereisten wir die ganze Republik, wir fuhren zu Grenzcamps, versuchten Nazidemos und Naziparteitage zu verhindern und spuckten den fiesen Gebirgsjägern in Mittenwald in ihre Wehrmachtssuppe…
Die letzten Jahre haben wir uns wieder verstärkt der sozialen Frage gewidmet. Unsere Versuche in Sachen Agenturschluss, Ein-Euro Job-Spaziergänge, Zahltage, mit neuen Formen der Stadtteilarbeit wie mit der 4 Woche sind vielleicht nicht so werbewirksam wie große bundesweite Kampagnen, aber oft wirksamer für eine Verankerung in den Stadtteilen und auf den Ämtern. Schließlich haben wir uns im letzten Jahr im Kontext der „Recht auf Stadt“ Bewegungen bei Basta engagiert und müssen (leider) parallel dem Nazitreiben in Wuppertal wirkungsvolle Grenzen setzen.

Sonst noch was?
Auguste Reinsdorf: Es ist natürlich glasklar, das wir zu der Demo unsere alten MitstreiterInnen und GenossInnen besonders herzlich einladen. Ein „Ehrenplatz“ in der 1. Reihe ist euch sicher! Wir sind gespannt, wer aus den letzten Jahren noch auf der Demo und beim Straßenfest aufkreuzt. „So jung werden wir uns nie wieder sehen“, ist unsere Parole.
Wir laden aber auch die vielen Tausend Menschen ein, die mit uns am 29.1.2011 den Nazis in Wuppertal entschlossen Paroli geboten haben. Ihr wart wunderbar, eure Entschlossenheit, eure (kreativen) Wurfgeschosse, euer Witz und eure Solidarität waren großartig.
Herzlichst eingeladen ist natürlich zur Demo und zum Straßenfest die nordstädtische Bevölkerung, die uns und unsere Hausbesetzungen, Demos, Volxküchen, Kickbox- und Antifagruppen usw. so lange ertragen und z.T. getragen hat, mit denen wir immer mal wieder gegen Polizeigewalt und Nazis gekämpft haben.
Wir grüßen natürlich auch die Generationen von Punks und Skins, Skatern und Hippies, GewerkschafterInnen und Flüchtlingen, Anti-AKW-AktivistInnen und Ökos, AntimilitaristInnen, GenossInnen der PKK , Dev Sol und Devrimci Yol, FeministInnen und Schwul-lesbisch-queeren Aktivist_innen, von Kiffern, MusikerInnen und LebenskünstlerInnen, die die letzten Jahre mit uns gekämpft haben und Teil der sozialen Bewegungen und Auseinandersetzungen waren.

Der Aufruf
25 Jahre autonome 1.Mai Demo
14:00 Uhr Treffpunkt Gathe vor dem AZ Wuppertal
anschließend Straßenfest auf dem Schusterplatz
Alle sollen verschwinden – Regierung stürzen! Für die soziale Revolution!
Liebe Genoss*innen aus aller Welt, liebe Freund*innen des autonomen 1.Mai in Wuppertal
1986 Vor genau 25 Jahren wurde die Tradition einer autonomen 1.Mai Demo in Wuppertal begründet, als wir uns – aus guten Gründen – von der DGB-Demonstration trennten und nach links in die Elberfelder Nordstadt zogen. 250 Demonstrant*innen zogen am Arbeitsamt und bei diversen Sklavenhändlern/Leiharbeitsfirmen vorbei, um ihrer Ablehnung gegenüber dem kapitalistischen Normalzustand Ausdruck zu verleihen. Auch die 1. Mai-Straßenfeste sind 1986 zum ersten Mal organisiert worden und finden seit 25 Jahren mit oder ohne Giraffen auf dem Schusterplatz statt.
Das Jahr 1986 war ein besonders ereignisreiches Jahr – nicht nur – für Wuppertal. Im März griffen die USA Libyen an und die Straßen waren voller protestierender Menschen, auch in Wuppertal. Kurz vor dem 1.Mai war das Atomkraftwerk in Tschernobyl explodiert und hatte ganz Europa mit radioaktivem Material verseucht und zahlreiche Menschen getötet. Die Menschen reagierten zunächst voller Angst, dann aber voller Wut und gezielter politischer Militanz. In Wuppertal wurde das Rathaus gestürmt, es gab in Wuppertal zahlreiche Brandanschläge gegen Nutznießer*innen des Atomprogramms. Pfingsten und im Juni 1986 zog eine neue starke Anti-Atom-Bewegung nach Brokdorf und Wackersdorf und kämpfte gegen Bullenarmeen und gegen die mörderische Atom-Technologie. In Wackersdorf entstand im Schulterschluss mit der einheimischen Bevölkerung in der Oberpfalz eine massenmilitante Bewegung, die schließlich die geplante Wiederaufbereitungsanlage verhinderte.
2011 Die jüngsten Ereignisse, die Explosion des Atomkraftwerks in Japan und die Militäreinsätze gegen das Gaddafi-Regime und gegen viele unbeteiligte Zivilist*innen in Libyen, sind wie ein Déjà-vu von 1986.
Allerdings ist die Situation nach dem Super-Gau in Fukushima 25 Jahre nach Tschernobyl gänzlich anders. Die militante Anti-Atombewegung ist fast ganz verschwunden. Auf den Straßen sind zwar wieder Massen unterwegs, aber nach der Wahlniederlage der Atommafia in Baden-Württemberg träumen sie nur von der Abwahl von Gelb-Schwarz und erhoffen sich wieder einmal einen Atomausstieg von Rot-Grün. Noch wissen wir nicht, ob RWE, E.ON und Co. wirklich kampflos auf die 750.000€ pro Tag Gewinn verzichten werden und welche Tricks die Atommafia-Parteien noch anwenden werden, um die Mehrheit der Bevölkerung wieder auf ihre atomare Seite zu ziehen.
Unsere Demos der vergangenen Tage sind ein guter Anfang, aber sehr handzahm und wenig zugespitzt. Es wird Zeit für radikalen, antikapitalistischen und emanzipatorischen Widerstand!
Warum entziehen wir der Atommafia nicht mit einer wirksamen Blockade ihre Atomfabrik in Gronau?! Wann werden die Nutznießer*innen des Atomprogramms, die Aktionär*innen von RWE, E.ON, Vattenfall und CO., mit unseren Argumenten konfrontiert?! Eine gute Gelegenheit ist die RWE–Jahreshauptversammlung der Aktionär*innen am 20. April 2011 in der Grugahalle in Essen. Anti-Atomgruppen aus NRW mobilisieren ab 8:00 Uhr zu einer Blockade der Halle.
Brot und Würde…
Uns begeistert der weitgehend emanzipatorische Aufruhr in den arabischen und nordafrikanischen Ländern. Mit den Kämpfen und den Militärschlägen in Libyen drohen die emanzipatorischen Kräfte allerdings wieder ins Hintertreffen zu geraten und den Traum von einem selbstbestimmten Aufbruch in Nordafrika und in den arabischen Ländern sehr schnell zu beerdigen.
Dies wird zahlreiche Menschen mobilisieren, in die Festung Europa zu kommen. Versenken wir die Frontex-Flotte, bereiten wir uns auf den Schutz der Flüchtlinge vor und kämpfen wir gegen die rassistische Hetze!
Trotzdem, wir sind sehr bewegt über den Mut und die Solidarität der Aufständigen, über die neue Rolle der Frauen im Aufstand und der Bewegung der arbeitslosen Unterschichten, der sich bald verschiedenste Jugendliche und Gewerkschaften anschlossen.
Für diese Bewegungen ist der Kampf um Menschenrechte und Demokratie direkt verwoben mit dem Kampf um soziale Rechte, gegen Perspektivlosigkeit und die neoliberale Wirtschaftspolitik. Wir waren begeistert von den Bildern auf dem Tahrir Platz in Kairo und von den Soldaten und Bullen, die sich der Bevölkerung angeschlossen haben. Wie schnell es gehen kann, wenn die Menschen keinen Bock mehr haben…. Das wollen wir hier auch, Regierung stürzen, würdige Lebensverhältnisse für alle, nieder mit Hartz IV und der Lohnarbeit.
Auf die Straße! Für die soziale Revolution auch im Nordseeraum! Für offene kollektive Strukturen und schöne Autonome Zentren!
So jung werden wir uns nie wieder sehen…
Es ist natürlich klar, dass wir 2011 zu der Demo unsere alten Mitstreiter*innen und Genoss*innen besonders herzlich einladen. Ein „Ehrenplatz“ in der 1. Reihe ist euch sicher!
Wir laden aber auch die vielen tausend Menschen ein, die mit uns am 29.1.2011 den Nazis in Wuppertal entschlossen Paroli geboten haben. Ihr wart wunderbar, eure Entschlossenheit, eure (kreativen) Wurfgeschosse, euer Witz und eure Solidarität waren großartig.
Herzlichst eingeladen ist natürlich zur Autonomen 1.Mai-Demo und zum Straßenfest die nordstädtische Bevölkerung, die uns und unsere Hausbesetzungen, Demos, Volxküchen, Kickbox- und Antifagruppen usw. so lange ertragen und z.T. getragen hat, mit denen wir immer mal wieder gegen Polizeigewalt und Nazis gekämpft haben.
25 Jahre ist eine verdammt lange Zeit, voller gemeinsamer Erfahrungen, weniger Siege und vieler Niederlagen, Frust, Rückzug und depressiver Erlebnissen. Trotzdem gibt es immer noch – wie der 29.1. eindrucksvoll gezeigt hat – viele Menschen, die den „Kopf nicht verlieren und den Geiern nicht das Land überlassen.“ (Wuppertaler Volxslied)
Nicht betteln und bitten, sondern mutig gestritten. Für ein Leben ohne Ausbeutung, Chefs und sonstige Herren!
Was sich über die Jahre gehalten hat, ist unsere Allergie gegenüber Parteien und hierachischen Organisationen, die jede Bewegung und Organisierung kontrollieren und steuern wollen, die emanzipatorische Politik mit einem Werbeauftritt verwechseln.
Auch lehnen wir – wie vor 25 Jahren – 66 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus eine deutsche Beteiligung an Kriegen und militärischen Interventionen ab.
Vergessen wir niemals, welche Verbrechen die deutsche Militärmaschine im Vernichtungskrieg und bei der Vernichtung der Jüdinnen und Juden zu verantworten hat. Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!
Auch bleibt es dabei, der herrschende Kapitalismus ist nicht nur eine abstrakte Struktur und Herrschaftsform, sondern trotz aller Komplexität auch eine Herrschaftsformation mit konkreten Ausbeuter*innen und Ausgebeuteten, mit Verantwortlichen und Verantwortung. Gerade die deutsche Geschichte mit Holocaust und Vernichtungskrieg lehrt uns, kein Mensch darf seine Verantwortung abgeben. Das Unrecht hat Name und Adresse, das gilt – wie vor 25 Jahren – für alle Lebensbereiche und Herrschaftsverhältnisse. So sind z.B. Aktionen gegen Spekulant*innen, Banken, Knäste, fiese Unternehmer*innen, Frauenhändler*innen, brutale Bullen, widerwärtige ARGE-Mitarbeiter*innen etc. natürlich „verkürzte Kapitalismuskritik“, weil jede politische Praxis notgedrungen vereinfachen muss. Sie sind und bleiben aber notwendig für eine lebendige Bewegung gegen den kapitalistischen Normalzustand und für ein schönes Leben.
Und natürlich müssen wir unsere eigene Verstrickung in Herrschaftsverhältnisse z.B. als männliche Metropolenbewohner und als Mittelstandkinder mitdenken. Unsere Radikalität darf sich nicht in radikalen Parolen erschöpfen. Die Glaubwürdigkeit unserer Aktionen im Jobcenter, im Stadtteil und in den Betrieben steigt, wenn wir wirklich anders und solidarisch leben und kleine Schritte des Widerstands wagen. Unsere Anstrengungen bei Agenturschluss, beim Zahltag oder bei der 4. Woche gehen in die richtige Richtung. Sie sind bescheiden und alltäglich, aber mitunter sichtbarer und wirkungsvoller als manches Szene-Flugblatt zum Thema „Lohnarbeit“ und „Kapitalismus smashen“…
Abschaltung aller Atomanlagen sofort und weltweit – Abschaltung der herrschenden Klassen!
Belagerung der Atommafia am 20. April – RWE-Aktionär*innen blockieren!
Wir sind nicht alle – es fehlen die Gefangenen!
Solidarische Grüße an den 1.Mai Gefangenen aus Wuppertal
Für ein schönes und würdiges Leben für alle! Es lebe die soziale Revolution!
Wir grüßen die autonomen 1.Mai-Demos in Oldenburg, Nürnberg, Hamburg, Berlin, Gent, Zürich, die Euromaydays in Dortmund, Wien, Hamburg und Maribor

25 Jahre Autonome 1.Mai- Demo in Wuppertal

14:00 Uhr Treffpunkt Gathe vor dem AZ Wuppertal
anschließend Straßenfest auf dem Schusterplatz

Alle sollen verschwinden – Regierung stürzen! Für die soziale Revolution!

Liebe Genoss*innen aus aller Welt, liebe Freund*innen des autonomen 1.Mai in Wuppertal

1986 Vor genau 25 Jahren wurde die Tradition einer autonomen 1.Mai Demo in Wuppertal begründet, als wir uns – aus guten Gründen – von der DGB-Demonstration trennten und nach links in die Elberfelder Nordstadt zogen. 250 Demonstrant*innen zogen am Arbeitsamt und bei diversen Sklavenhändlern/Leiharbeitsfirmen vorbei, um ihrer Ablehnung gegenüber dem kapitalistischen Normalzustand Ausdruck zu verleihen. Auch die 1. Mai-Straßenfeste sind 1986 zum ersten Mal organisiert worden und finden seit 25 Jahren mit oder ohne Giraffen auf dem Schusterplatz statt.
Das Jahr 1986 war ein besonders ereignisreiches Jahr – nicht nur – für Wuppertal. Im März griffen die USA Libyen an und die Straßen waren voller protestierender Menschen, auch in Wuppertal. Kurz vor dem 1.Mai war das Atomkraftwerk in Tschernobyl explodiert und hatte ganz Europa mit radioaktivem Material verseucht und zahlreiche Menschen getötet. Die Menschen reagierten zunächst voller Angst, dann aber voller Wut und gezielter politischer Militanz. In Wuppertal wurde das Rathaus gestürmt, es gab in Wuppertal zahlreiche Brandanschläge gegen Nutznießer*innen des Atomprogramms. Pfingsten und im Juni 1986 zog eine neue starke Anti-Atom-Bewegung nach Brokdorf und Wackersdorf und kämpfte gegen Bullenarmeen und gegen die mörderische Atom-Technologie. In Wackersdorf entstand im Schulterschluss mit der einheimischen Bevölkerung in der Oberpfalz eine massenmilitante Bewegung, die schließlich die geplante Wiederaufbereitungsanlage verhinderte.

2011 Die jüngsten Ereignisse, die Explosion des Atomkraftwerks in Japan und die Militäreinsätze gegen das Gaddafi-Regime und gegen viele unbeteiligte Zivilist*innen in Libyen, sind wie ein Déjà-vu von 1986.

Allerdings ist die Situation nach dem Super-Gau in Fukushima 25 Jahre nach Tschernobyl gänzlich anders. Die militante Anti-Atombewegung ist fast ganz verschwunden. Auf den Straßen sind zwar wieder Massen unterwegs, aber nach der Wahlniederlage der Atommafia in Baden-Württemberg träumen sie nur von der Abwahl von Gelb-Schwarz und erhoffen sich wieder einmal einen Atomausstieg von Rot-Grün. Noch wissen wir nicht, ob RWE, E.ON und Co. wirklich kampflos auf die 750.000€ pro Tag Gewinn verzichten werden und welche Tricks die Atommafia-Parteien noch anwenden werden, um die Mehrheit der Bevölkerung wieder auf ihre atomare Seite zu ziehen.

Unsere Demos der vergangenen Tage sind ein guter Anfang, aber sehr handzahm und wenig zugespitzt. Es wird Zeit für radikalen, antikapitalistischen und emanzipatorischen Widerstand!

Warum entziehen wir der Atommafia nicht mit einer wirksamen Blockade ihre Atomfabrik in Gronau?! Wann werden die Nutznießer*innen des Atomprogramms, die Aktionär*innen von RWE, E.ON, Vattenfall und CO., mit unseren Argumenten konfrontiert?! Eine gute Gelegenheit ist die RWE–Jahreshauptversammlung der Aktionär*innen am 20. April 2011 in der Grugahalle in Essen. Anti-Atomgruppen aus NRW mobilisieren ab 8:00 Uhr zu einer Blockade der Halle.

Brot und Würde…

Uns begeistert der weitgehend emanzipatorische Aufruhr in den arabischen und nordafrikanischen Ländern. Mit den Kämpfen und den Militärschlägen in Libyen drohen die emanzipatorischen Kräfte allerdings wieder ins Hintertreffen zu geraten und den Traum von einem selbstbestimmten Aufbruch in Nordafrika und in den arabischen Ländern sehr schnell zu beerdigen.

Dies wird zahlreiche Menschen mobilisieren, in die Festung Europa zu kommen. Versenken wir die Frontex-Flotte, bereiten wir uns auf den Schutz der Flüchtlinge vor und kämpfen wir gegen die rassistische Hetze!

Trotzdem, wir sind sehr bewegt über den Mut und die Solidarität der Aufständigen, über die neue Rolle der Frauen im Aufstand und der Bewegung der arbeitslosen Unterschichten, der sich bald verschiedenste Jugendliche und Gewerkschaften anschlossen.

Für diese Bewegungen ist der Kampf um Menschenrechte und Demokratie direkt verwoben mit dem Kampf um soziale Rechte, gegen Perspektivlosigkeit und die neoliberale Wirtschaftspolitik. Wir waren begeistert von den Bildern auf dem Tahrir Platz in Kairo und von den Soldaten und Bullen, die sich der Bevölkerung angeschlossen haben. Wie schnell es gehen kann, wenn die Menschen keinen Bock mehr haben…. Das wollen wir hier auch, Regierung stürzen, würdige Lebensverhältnisse für alle, nieder mit Hartz IV und der Lohnarbeit.

Auf die Straße! Für die soziale Revolution auch im Nordseeraum! Für offene kollektive Strukturen und schöne Autonome Zentren!

So jung werden wir uns nie wieder sehen…

Es ist natürlich klar, dass wir 2011 zu der Demo unsere alten Mitstreiter*innen und Genoss*innen besonders herzlich einladen. Ein „Ehrenplatz“ in der 1. Reihe ist euch sicher!

Wir laden aber auch die vielen tausend Menschen ein, die mit uns am 29.1.2011 den Nazis in Wuppertal entschlossen Paroli geboten haben. Ihr wart wunderbar, eure Entschlossenheit, eure (kreativen) Wurfgeschosse, euer Witz und eure Solidarität waren großartig.

Herzlichst eingeladen ist natürlich zur Autonomen 1.Mai-Demo und zum Straßenfest die nordstädtische Bevölkerung, die uns und unsere Hausbesetzungen, Demos, Volxküchen, Kickbox- und Antifagruppen usw. so lange ertragen und z.T. getragen hat, mit denen wir immer mal wieder gegen Polizeigewalt und Nazis gekämpft haben.

25 Jahre ist eine verdammt lange Zeit, voller gemeinsamer Erfahrungen, weniger Siege und vieler Niederlagen, Frust, Rückzug und depressiver Erlebnissen. Trotzdem gibt es immer noch – wie der 29.1. eindrucksvoll gezeigt hat – viele Menschen, die den „Kopf nicht verlieren und den Geiern nicht das Land überlassen.“ (Wuppertaler Volxslied)

Nicht betteln und bitten, sondern mutig gestritten. Für ein Leben ohne Ausbeutung, Chefs und sonstige Herren!

Was sich über die Jahre gehalten hat, ist unsere Allergie gegenüber Parteien und hierachischen Organisationen, die jede Bewegung und Organisierung kontrollieren und steuern wollen, die emanzipatorische Politik mit einem Werbeauftritt verwechseln.

Auch lehnen wir – wie vor 25 Jahren – 66 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus eine deutsche Beteiligung an Kriegen und militärischen Interventionen ab.
Vergessen wir niemals, welche Verbrechen die deutsche Militärmaschine im Vernichtungskrieg und bei der Vernichtung der Jüdinnen und Juden zu verantworten hat. Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Auch bleibt es dabei, der herrschende Kapitalismus ist nicht nur eine abstrakte Struktur und Herrschaftsform, sondern trotz aller Komplexität auch eine Herrschaftsformation mit konkreten Ausbeuter*innen und Ausgebeuteten, mit Verantwortlichen und Verantwortung. Gerade die deutsche Geschichte mit Holocaust und Vernichtungskrieg lehrt uns, kein Mensch darf seine Verantwortung abgeben. Das Unrecht hat Name und Adresse, das gilt – wie vor 25 Jahren – für alle Lebensbereiche und Herrschaftsverhältnisse. So sind z.B. Aktionen gegen Spekulant*innen, Banken, Knäste, fiese Unternehmer*innen, Frauenhändler*innen, brutale Bullen, widerwärtige ARGE-Mitarbeiter*innen etc. natürlich „verkürzte Kapitalismuskritik“, weil jede politische Praxis notgedrungen vereinfachen muss. Sie sind und bleiben aber notwendig für eine lebendige Bewegung gegen den kapitalistischen Normalzustand und für ein schönes Leben.

Und natürlich müssen wir unsere eigene Verstrickung in Herrschaftsverhältnisse z.B. als männliche Metropolenbewohner und als Mittelstandkinder mitdenken. Unsere Radikalität darf sich nicht in radikalen Parolen erschöpfen. Die Glaubwürdigkeit unserer Aktionen im Jobcenter, im Stadtteil und in den Betrieben steigt, wenn wir wirklich anders und solidarisch leben und kleine Schritte des Widerstands wagen. Unsere Anstrengungen bei Agenturschluss, beim Zahltag oder bei der 4. Woche gehen in die richtige Richtung. Sie sind bescheiden und alltäglich, aber mitunter sichtbarer und wirkungsvoller als manches Szene-Flugblatt zum Thema „Lohnarbeit“ und „Kapitalismus smashen“…

Abschaltung aller Atomanlagen sofort und weltweit – Abschaltung der herrschenden Klassen!
Belagerung der Atommafia am 20. April – RWE-Aktionär*innen blockieren!

Wir sind nicht alle – es fehlen die Gefangenen!
Solidarische Grüße an den 1.Mai Gefangenen aus Wuppertal

Für ein schönes und würdiges Leben für alle! Es lebe die soziale Revolution!

Wir grüßen die autonomen 1.Mai-Demos in Oldenburg, Nürnberg, Hamburg, Berlin, Gent, Zürich, die Euromaydays in Dortmund, Wien, Hamburg und Maribor

www.gedenkbuch-wuppertal.de ist online


Dieses digitale Gedenkbuch enthält die Namen von mehr als 3.100 Wuppertaler Opfern, die von den Nationalsozialisten ermordet oder in Lagern, Gefängnissen, „Heil- und Pflegeanstalten“ oder bei der Zwangsarbeit in Wuppertal den Tod fanden. Die Liste ist nicht vollständig, die Biographien sind lückenhaft und möglicherweise fehlerhaft. Die Todesdaten und vor allem die Todesursachen sind oft von den Mördern und ihren Bürokraten gefälscht worden. In vielen Fällen haben die Mörder ihre Opfer nicht einmal namhaft gemacht, sie sind irgendwo in den Wäldern, in den Gaskammern und in Panzergräben ermordet worden. Ihre Körper wurden in Krematorien verbrannt oder z.T. mit hohem Aufwand aus den Massengräbern exhumiert und verbrannt, um die Spuren des Massenmordes zu verwischen .

Wir dokumentieren hier erstmals die Namen von Wuppertaler NS-Opfern der verschiedenen Opfergruppen. Die „Wuppertaler“, deren Namen hier dokumentiert und deren Lebensdaten und Biographien wir hier im Internet sammeln wollen, sind aus aller Welt. „Wuppertaler“ NS-Opfer sind in unserer Definition die NS-Opfer, die einen Wuppertal-Bezug haben, die hier geboren oder gestorben sind und die hier (zeitweise) gelebt haben. Aufgenommen sind auch die Opfer der Militärjustiz, die von Wuppertaler Militärgerichten zum Tode verurteilt wurden und in Dortmund und Köln hingerichtet wurden. „Wuppertaler“ können gleichzeitig Ukrainer, Franzosen, Hamburger und Minsker sein. Teil des Gedenkbuchs sind ebenso die über Wuppertal abgeschossenen alliierten Soldaten und die amerikanischen Soldaten, die kurz vor der Befreiung Wuppertals noch ums Leben kamen.

Eine Besonderheit ist die Kategorie der „Ehren-Wuppertaler“, womit die von den Nationalsozialisten ermordeten niederländischen AktivistInnen des „Wuppertal-Komitees“ gemeint sind. Sie hatten zwischen 1935 und 1936 die weltweit beachteten Solidaritätsaktionen für die inhaftierten Angehörigen der Wuppertaler Arbeiterschaft, die in den Wuppertaler Gewerkschaftsprozessen abgeurteilt worden waren, (www.gewerkschaftsprozesse.de) organisiert. Sie wurden nach der Besetzung der Niederlande im Mai 1940 verhaftet und kamen u.a. in Konzentrationslagern und Vernichtungslagern ums Leben.

Die beiden größten Opfergruppen sind die Jüdinnen/Juden und die ZwangsarbeiterInnen. Über 1000 ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangene fanden in Wuppertal den Tod. Sie wurden von der Gestapo erhängt und erschossen oder in Arbeitserziehungslagern (AELs) und KZs zu Tode geschunden. Die Mehrheit von Ihnen starb beim „Arbeitseinsatz“ in Wuppertal, bei Bombenangriffen und Betriebsunfällen, sie starben an Tuberkulose, Ruhr, Lungenentzündung und Unterernährung. Auch Kinder waren unter den Opfern. Über 100 Zwangsarbeiterkinder überlebten die Zeit in Wuppertal nicht, z.T. weil sie in sog. „Kinderpflegestätten“ der Zwangsarbeits-Betriebe völlig unzureichend versorgt wurden.

Über 300 WuppertalerInnen wurden Opfer der „Euthanasie“-Mordprogramme. Man ermordete sie in den Gaskammern der T 4-Mordanstalten, spritzte sie in sog. Heil- und Pflegeanstalten tot, vergiftete sie oder ließ sie an Unterernährung sterben.

Außer der großen Gruppe der politisch Verfolgten sind auch die religiös Verfolgten in das Gedenkbuch aufgenommen worden. Neben den bekannten NS-Opfern wie Bernhard Letterhaus und Helmut Hesse wurden im Rahmen dieser Dokumentation auch die Opfer aus den Reihen der Zeugen Jehovas recherchiert. Weitgehend unbekannt war bis jetzt das Schicksal der Wuppertaler Sinti und Roma. Nur etwa 60 Namen der Wuppertaler Sinti und Roma, die während der NS-Zeit ermordet wurden, konnten bisher ausfindig gemacht werden.

Zum ersten Mal werden auch die Wuppertaler Opfer der Militärjustiz benannt, die erst seit kurzem vom Bundestag weitgehend rehabilitiert worden sind. Ebenfalls benannt sind die ehemaligen politischen Gefangenen, die in Strafeinheiten der Wehrmacht und der SS gezwungen wurden und dort den Tod fanden. Weiterhin haben wir die Namen der Wuppertaler Spanienkämpfer und der in den verschiedenen europäischen Widerstands- und Partisanenbewegungen kämpfenden Wuppertaler aufgelistet.

Eine weitere gesellschaftlich nahezu vergesssene Gruppe sind die als „Asoziale“, „Arbeitsscheue“, als Homosexuelle, als „Rasseschänder“ und als „Berufsverbrecher“ Verfolgte. Meist wurden sie bei Razzien festgenommen und in die Konzentrationslager eingeliefert. Nach Ablauf ihrer Gefängnisstrafen nahm man sie in „Sicherheitsverfahrung“ oder „polizeiliche Vorbeugehaft“ und lieferte sie zum Zweck der „Vernichtung durch Arbeit“ in KZs ein. Mit Unterstützung der KZ-Gedenkstätten können nun zum ersten Mal die Namen der Wuppertaler Opfer aufgelistet werden. Zu den vergessenen NS-Opfern gehören ebenso die von den Sondergerichten als „Plünderer“ und „Volksschädlinge“ zum Tode verurteilten Menschen. Auch ihrer erinnert man sich im Gedenkbuch.




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