Archiv für April 2011

25 Jahre Autonome 1.Mai Demo in Wuppertal Interview Teil 2

Die „dienstälteste“ autonome 1.Mai Demo in Germany, der Autonome 1.Mai und das Straßenfest auf dem Schusterplatz geht in Wuppertal in die 25. unangemeldete Runde. Wir hatten erneut die Gelegenheit, mit verschiedenen Stein-Alten und Jung-AktivistInnen aus dem Bergischen Land zu reden:

Was treibt euch am 1. Mai auf die Strasse?

Husch-Husch: Wir können nicht anders. Es gibt in Wuppertal seit dem Beginn der Industrialisierung, seit ca. 1800 die Gewohnheit und das Recht am 1. Mai umzuziehen. Der 1. Mai war der zentrale Umzugstag, an diesem Tag packten die ProletarierInnen ihr gesamten Hab und Gut auf Leiterwagen und zogen um ins nächste schäbige Quartier.
Manuel Neuer: Diese Tradition der Umzüge und Unordnung, der Unorganisierbarkeit, der Sichtbarkeit von Armut und Reichtum, der Demonstration der prekären Lebensverhältnisse im realexistierenden Kapitalismus hat sich natürlich verdichtet mit den 1. Mai-Traditionen der (internationalen) ArbeiterInnenbewegung, der anarchistischen Elberfelder BombenlegerInnen um August Reinsdorf, der KatzenmusikerInnen und der streikenden Färbergesellen, aber auch der 1. Mai-Ausflüge der SozialdemokratInnen und Gewerkschaften.
Mina Knallenfalls: Der 1.Mai war immer wieder ein Kristallisationspunkt von Widerstand und sozialen Bewegungen im Wuppertal. Neben den illegalen 1. Mai-Ausflügen zu Zeiten des Sozialistengesetzes und während des ersten Weltkrieges setzte sich in der Weimarer Republik die Straßendemonstration mit anschließender Maifeier durch.
Günter Pröpper (Fußballgott): Natürlich machte die zunehmende Spaltung der deutschen ArbeiterInnenbewegung nicht vor den 1. Mai-Demos in Wuppertal halt. Seit 1930 ging der radikale Teil der Arbeiterbewegung, die KommunistInnen, die AnarchosyndikalistInnen und die KarabinerkommuistInnen eigene, von den SozialdemokratInnen getrennte Demowege. In Elberfeld starteten sie nunmehr am Platz der Republik und zogen zum Schusterplatz auf den Ölberg. Zeitzeugen berichteten, dass Otto Böhne auf dem alten Pissoir auf dem Schusterplatz die Grundsatzreden zu halten pflegte… 1986 haben GenossInnen an diese eigensinnige Umzugstradition wieder angeknüpft. Näheres kann man ja unserem Aufruf entnehmen.
Jürgen Klopp: Ich freue mich sehr auf das 1. Mai-Wochenende, weil fast überall was los ist. Große Demos gibt’s in Berlin und Hamburg, traditionsreiche autonome Demos auch in Oldenburg, Nürnberg und in vielen anderen Städten. In Berlin wird es zusätzlich anläßlich des 10. Todestages von Carlo Guilani eine Eröffnung des Carlo-Guiliani-Gedächtnisparks geben (http://food4action.blogsport.de/2011/04/19/1-mai-2011-carlo-giuliani-park-in-berlin-kreuzberg/). In Dortmund findet zum 2.Mal der Euromayday statt, den wir von unserem bergischen Euromayday in Wuppertal herzlichst grüßen!!! Die Mobilisierung in Dortmund wird gigantisch sein, wenn wir am Samstag Meister werden…
Manuel Neuer (bester Torhüter der Welt): Das mit der Meisterschaft kann man aber auch anders sehen. Wer sich den schwarzgelben Irrsinn nicht anschauen mag – wie ich –, fährt schnell inne andere Stadt…. In Wuppertal findet zum ersten Mal am Vorabend eine Nachttanzdemo statt. Am Morgen zieht der DGB durchs Tal und um 14.00 Uhr starten wir vor dem AZ an der Gathe.


Zuckerfritz: Was macht die Polizei zum 25. Jubiläum? Die letzten Jahre waren ja von erheblichen Übergriffen der hiesigen Bereitschaftspolizei überschattet.
Husch-Husch: Schwer zu sagen. Beim Nazi-Aufmarsch am 29.1. haben sich die Bullen ja ziemlich blamiert. Sie hatten nichts unter Kontrolle und der antifaschistische Widerstand konnte überraschend gut und treffsicher agieren. Auf der anderen Seite ließen sie auch große Nazitrupps unbehelligt durch Wuppertal laufen, die aber zum Glück von Antifagruppen verjagt werden konnten. Einige Nazis mussten sich sogar ins Polizeipräsidium flüchten, was uns sehr erfeut hat. Die Polizei agierte insgesamt grottenschlecht. Sie schützen die Nazis, schauten weg, wenn die Nazis vermummt auftraten, SA-Lieder sangen und zum Mord am politischen Gegner aufriefen und griffen gleichzeitig das gesamte breite Antifa-Bündnis mit Pfeffergas an. Soviel dummdreiste Polizeibrutalität merken sich auch die FDP-AktivistInnen und die Freunde der rot-grünen NRW-Koalition im Bündnis.
Mina Knallenfalls: Auf jeden Fall war für uns der autonome 1.Mai in Wuppertal immer verknüpft mit den sozialen Auseinandersetzungen und Kämpfen. 1986 waren wir stark in Häuserkämpfe involviert und demonstrierten vor dem AKW in Brokdorf und in Wackersdorf, später stritten wir gegen die Volkszählung und solidarisierten uns mit den Streikenden in Rheinhausen. Im gleichen Jahr elektrisierten uns die Kämpfe um die Hamburger Hafenstrasse. 1989, im Jahr der „Wende“ solidarisierten wir uns mit den Hungerstreikenden in den Knästen und kämpften und besetzten Häuser für ein Autonomes Zentrum in Wuppertal. Die Neunziger standen ganz im Zeichen von antifaschistischer und antirassistischer Mobilisierung, wir organisierten nach dem Brandanschlag von Solingen zusammen mit MigrantInnen Nachtwachen gegen die Nazis, blockierten den Bundestag wegen der Abschaffung des Asylrechtes, enterten einen Abschiebebus und besetzten zusammen mit kurdischen Flüchtlingen die Gemarker Kirche. Später bereisten wir die ganze Republik, wir fuhren zu Grenzcamps, versuchten Nazidemos und Naziparteitage zu verhindern und spuckten den fiesen Gebirgsjägern in Mittenwald in ihre Wehrmachtssuppe…
Die letzten Jahre haben wir uns wieder verstärkt der sozialen Frage gewidmet. Unsere Versuche in Sachen Agenturschluss, Ein-Euro Job-Spaziergänge, Zahltage, mit neuen Formen der Stadtteilarbeit wie mit der 4 Woche sind vielleicht nicht so werbewirksam wie große bundesweite Kampagnen, aber oft wirksamer für eine Verankerung in den Stadtteilen und auf den Ämtern. Schließlich haben wir uns im letzten Jahr im Kontext der „Recht auf Stadt“ Bewegungen bei Basta engagiert und müssen (leider) parallel dem Nazitreiben in Wuppertal wirkungsvolle Grenzen setzen.

Sonst noch was?
Auguste Reinsdorf: Es ist natürlich glasklar, das wir zu der Demo unsere alten MitstreiterInnen und GenossInnen besonders herzlich einladen. Ein „Ehrenplatz“ in der 1. Reihe ist euch sicher! Wir sind gespannt, wer aus den letzten Jahren noch auf der Demo und beim Straßenfest aufkreuzt. „So jung werden wir uns nie wieder sehen“, ist unsere Parole.
Wir laden aber auch die vielen Tausend Menschen ein, die mit uns am 29.1.2011 den Nazis in Wuppertal entschlossen Paroli geboten haben. Ihr wart wunderbar, eure Entschlossenheit, eure (kreativen) Wurfgeschosse, euer Witz und eure Solidarität waren großartig.
Herzlichst eingeladen ist natürlich zur Demo und zum Straßenfest die nordstädtische Bevölkerung, die uns und unsere Hausbesetzungen, Demos, Volxküchen, Kickbox- und Antifagruppen usw. so lange ertragen und z.T. getragen hat, mit denen wir immer mal wieder gegen Polizeigewalt und Nazis gekämpft haben.
Wir grüßen natürlich auch die Generationen von Punks und Skins, Skatern und Hippies, GewerkschafterInnen und Flüchtlingen, Anti-AKW-AktivistInnen und Ökos, AntimilitaristInnen, GenossInnen der PKK , Dev Sol und Devrimci Yol, FeministInnen und Schwul-lesbisch-queeren Aktivist_innen, von Kiffern, MusikerInnen und LebenskünstlerInnen, die die letzten Jahre mit uns gekämpft haben und Teil der sozialen Bewegungen und Auseinandersetzungen waren.

Der Aufruf
25 Jahre autonome 1.Mai Demo
14:00 Uhr Treffpunkt Gathe vor dem AZ Wuppertal
anschließend Straßenfest auf dem Schusterplatz
Alle sollen verschwinden – Regierung stürzen! Für die soziale Revolution!
Liebe Genoss*innen aus aller Welt, liebe Freund*innen des autonomen 1.Mai in Wuppertal
1986 Vor genau 25 Jahren wurde die Tradition einer autonomen 1.Mai Demo in Wuppertal begründet, als wir uns – aus guten Gründen – von der DGB-Demonstration trennten und nach links in die Elberfelder Nordstadt zogen. 250 Demonstrant*innen zogen am Arbeitsamt und bei diversen Sklavenhändlern/Leiharbeitsfirmen vorbei, um ihrer Ablehnung gegenüber dem kapitalistischen Normalzustand Ausdruck zu verleihen. Auch die 1. Mai-Straßenfeste sind 1986 zum ersten Mal organisiert worden und finden seit 25 Jahren mit oder ohne Giraffen auf dem Schusterplatz statt.
Das Jahr 1986 war ein besonders ereignisreiches Jahr – nicht nur – für Wuppertal. Im März griffen die USA Libyen an und die Straßen waren voller protestierender Menschen, auch in Wuppertal. Kurz vor dem 1.Mai war das Atomkraftwerk in Tschernobyl explodiert und hatte ganz Europa mit radioaktivem Material verseucht und zahlreiche Menschen getötet. Die Menschen reagierten zunächst voller Angst, dann aber voller Wut und gezielter politischer Militanz. In Wuppertal wurde das Rathaus gestürmt, es gab in Wuppertal zahlreiche Brandanschläge gegen Nutznießer*innen des Atomprogramms. Pfingsten und im Juni 1986 zog eine neue starke Anti-Atom-Bewegung nach Brokdorf und Wackersdorf und kämpfte gegen Bullenarmeen und gegen die mörderische Atom-Technologie. In Wackersdorf entstand im Schulterschluss mit der einheimischen Bevölkerung in der Oberpfalz eine massenmilitante Bewegung, die schließlich die geplante Wiederaufbereitungsanlage verhinderte.
2011 Die jüngsten Ereignisse, die Explosion des Atomkraftwerks in Japan und die Militäreinsätze gegen das Gaddafi-Regime und gegen viele unbeteiligte Zivilist*innen in Libyen, sind wie ein Déjà-vu von 1986.
Allerdings ist die Situation nach dem Super-Gau in Fukushima 25 Jahre nach Tschernobyl gänzlich anders. Die militante Anti-Atombewegung ist fast ganz verschwunden. Auf den Straßen sind zwar wieder Massen unterwegs, aber nach der Wahlniederlage der Atommafia in Baden-Württemberg träumen sie nur von der Abwahl von Gelb-Schwarz und erhoffen sich wieder einmal einen Atomausstieg von Rot-Grün. Noch wissen wir nicht, ob RWE, E.ON und Co. wirklich kampflos auf die 750.000€ pro Tag Gewinn verzichten werden und welche Tricks die Atommafia-Parteien noch anwenden werden, um die Mehrheit der Bevölkerung wieder auf ihre atomare Seite zu ziehen.
Unsere Demos der vergangenen Tage sind ein guter Anfang, aber sehr handzahm und wenig zugespitzt. Es wird Zeit für radikalen, antikapitalistischen und emanzipatorischen Widerstand!
Warum entziehen wir der Atommafia nicht mit einer wirksamen Blockade ihre Atomfabrik in Gronau?! Wann werden die Nutznießer*innen des Atomprogramms, die Aktionär*innen von RWE, E.ON, Vattenfall und CO., mit unseren Argumenten konfrontiert?! Eine gute Gelegenheit ist die RWE–Jahreshauptversammlung der Aktionär*innen am 20. April 2011 in der Grugahalle in Essen. Anti-Atomgruppen aus NRW mobilisieren ab 8:00 Uhr zu einer Blockade der Halle.
Brot und Würde…
Uns begeistert der weitgehend emanzipatorische Aufruhr in den arabischen und nordafrikanischen Ländern. Mit den Kämpfen und den Militärschlägen in Libyen drohen die emanzipatorischen Kräfte allerdings wieder ins Hintertreffen zu geraten und den Traum von einem selbstbestimmten Aufbruch in Nordafrika und in den arabischen Ländern sehr schnell zu beerdigen.
Dies wird zahlreiche Menschen mobilisieren, in die Festung Europa zu kommen. Versenken wir die Frontex-Flotte, bereiten wir uns auf den Schutz der Flüchtlinge vor und kämpfen wir gegen die rassistische Hetze!
Trotzdem, wir sind sehr bewegt über den Mut und die Solidarität der Aufständigen, über die neue Rolle der Frauen im Aufstand und der Bewegung der arbeitslosen Unterschichten, der sich bald verschiedenste Jugendliche und Gewerkschaften anschlossen.
Für diese Bewegungen ist der Kampf um Menschenrechte und Demokratie direkt verwoben mit dem Kampf um soziale Rechte, gegen Perspektivlosigkeit und die neoliberale Wirtschaftspolitik. Wir waren begeistert von den Bildern auf dem Tahrir Platz in Kairo und von den Soldaten und Bullen, die sich der Bevölkerung angeschlossen haben. Wie schnell es gehen kann, wenn die Menschen keinen Bock mehr haben…. Das wollen wir hier auch, Regierung stürzen, würdige Lebensverhältnisse für alle, nieder mit Hartz IV und der Lohnarbeit.
Auf die Straße! Für die soziale Revolution auch im Nordseeraum! Für offene kollektive Strukturen und schöne Autonome Zentren!
So jung werden wir uns nie wieder sehen…
Es ist natürlich klar, dass wir 2011 zu der Demo unsere alten Mitstreiter*innen und Genoss*innen besonders herzlich einladen. Ein „Ehrenplatz“ in der 1. Reihe ist euch sicher!
Wir laden aber auch die vielen tausend Menschen ein, die mit uns am 29.1.2011 den Nazis in Wuppertal entschlossen Paroli geboten haben. Ihr wart wunderbar, eure Entschlossenheit, eure (kreativen) Wurfgeschosse, euer Witz und eure Solidarität waren großartig.
Herzlichst eingeladen ist natürlich zur Autonomen 1.Mai-Demo und zum Straßenfest die nordstädtische Bevölkerung, die uns und unsere Hausbesetzungen, Demos, Volxküchen, Kickbox- und Antifagruppen usw. so lange ertragen und z.T. getragen hat, mit denen wir immer mal wieder gegen Polizeigewalt und Nazis gekämpft haben.
25 Jahre ist eine verdammt lange Zeit, voller gemeinsamer Erfahrungen, weniger Siege und vieler Niederlagen, Frust, Rückzug und depressiver Erlebnissen. Trotzdem gibt es immer noch – wie der 29.1. eindrucksvoll gezeigt hat – viele Menschen, die den „Kopf nicht verlieren und den Geiern nicht das Land überlassen.“ (Wuppertaler Volxslied)
Nicht betteln und bitten, sondern mutig gestritten. Für ein Leben ohne Ausbeutung, Chefs und sonstige Herren!
Was sich über die Jahre gehalten hat, ist unsere Allergie gegenüber Parteien und hierachischen Organisationen, die jede Bewegung und Organisierung kontrollieren und steuern wollen, die emanzipatorische Politik mit einem Werbeauftritt verwechseln.
Auch lehnen wir – wie vor 25 Jahren – 66 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus eine deutsche Beteiligung an Kriegen und militärischen Interventionen ab.
Vergessen wir niemals, welche Verbrechen die deutsche Militärmaschine im Vernichtungskrieg und bei der Vernichtung der Jüdinnen und Juden zu verantworten hat. Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!
Auch bleibt es dabei, der herrschende Kapitalismus ist nicht nur eine abstrakte Struktur und Herrschaftsform, sondern trotz aller Komplexität auch eine Herrschaftsformation mit konkreten Ausbeuter*innen und Ausgebeuteten, mit Verantwortlichen und Verantwortung. Gerade die deutsche Geschichte mit Holocaust und Vernichtungskrieg lehrt uns, kein Mensch darf seine Verantwortung abgeben. Das Unrecht hat Name und Adresse, das gilt – wie vor 25 Jahren – für alle Lebensbereiche und Herrschaftsverhältnisse. So sind z.B. Aktionen gegen Spekulant*innen, Banken, Knäste, fiese Unternehmer*innen, Frauenhändler*innen, brutale Bullen, widerwärtige ARGE-Mitarbeiter*innen etc. natürlich „verkürzte Kapitalismuskritik“, weil jede politische Praxis notgedrungen vereinfachen muss. Sie sind und bleiben aber notwendig für eine lebendige Bewegung gegen den kapitalistischen Normalzustand und für ein schönes Leben.
Und natürlich müssen wir unsere eigene Verstrickung in Herrschaftsverhältnisse z.B. als männliche Metropolenbewohner und als Mittelstandkinder mitdenken. Unsere Radikalität darf sich nicht in radikalen Parolen erschöpfen. Die Glaubwürdigkeit unserer Aktionen im Jobcenter, im Stadtteil und in den Betrieben steigt, wenn wir wirklich anders und solidarisch leben und kleine Schritte des Widerstands wagen. Unsere Anstrengungen bei Agenturschluss, beim Zahltag oder bei der 4. Woche gehen in die richtige Richtung. Sie sind bescheiden und alltäglich, aber mitunter sichtbarer und wirkungsvoller als manches Szene-Flugblatt zum Thema „Lohnarbeit“ und „Kapitalismus smashen“…
Abschaltung aller Atomanlagen sofort und weltweit – Abschaltung der herrschenden Klassen!
Belagerung der Atommafia am 20. April – RWE-Aktionär*innen blockieren!
Wir sind nicht alle – es fehlen die Gefangenen!
Solidarische Grüße an den 1.Mai Gefangenen aus Wuppertal
Für ein schönes und würdiges Leben für alle! Es lebe die soziale Revolution!
Wir grüßen die autonomen 1.Mai-Demos in Oldenburg, Nürnberg, Hamburg, Berlin, Gent, Zürich, die Euromaydays in Dortmund, Wien, Hamburg und Maribor

25 Jahre Autonome 1.Mai- Demo in Wuppertal

14:00 Uhr Treffpunkt Gathe vor dem AZ Wuppertal
anschließend Straßenfest auf dem Schusterplatz

Alle sollen verschwinden – Regierung stürzen! Für die soziale Revolution!

Liebe Genoss*innen aus aller Welt, liebe Freund*innen des autonomen 1.Mai in Wuppertal

1986 Vor genau 25 Jahren wurde die Tradition einer autonomen 1.Mai Demo in Wuppertal begründet, als wir uns – aus guten Gründen – von der DGB-Demonstration trennten und nach links in die Elberfelder Nordstadt zogen. 250 Demonstrant*innen zogen am Arbeitsamt und bei diversen Sklavenhändlern/Leiharbeitsfirmen vorbei, um ihrer Ablehnung gegenüber dem kapitalistischen Normalzustand Ausdruck zu verleihen. Auch die 1. Mai-Straßenfeste sind 1986 zum ersten Mal organisiert worden und finden seit 25 Jahren mit oder ohne Giraffen auf dem Schusterplatz statt.
Das Jahr 1986 war ein besonders ereignisreiches Jahr – nicht nur – für Wuppertal. Im März griffen die USA Libyen an und die Straßen waren voller protestierender Menschen, auch in Wuppertal. Kurz vor dem 1.Mai war das Atomkraftwerk in Tschernobyl explodiert und hatte ganz Europa mit radioaktivem Material verseucht und zahlreiche Menschen getötet. Die Menschen reagierten zunächst voller Angst, dann aber voller Wut und gezielter politischer Militanz. In Wuppertal wurde das Rathaus gestürmt, es gab in Wuppertal zahlreiche Brandanschläge gegen Nutznießer*innen des Atomprogramms. Pfingsten und im Juni 1986 zog eine neue starke Anti-Atom-Bewegung nach Brokdorf und Wackersdorf und kämpfte gegen Bullenarmeen und gegen die mörderische Atom-Technologie. In Wackersdorf entstand im Schulterschluss mit der einheimischen Bevölkerung in der Oberpfalz eine massenmilitante Bewegung, die schließlich die geplante Wiederaufbereitungsanlage verhinderte.

2011 Die jüngsten Ereignisse, die Explosion des Atomkraftwerks in Japan und die Militäreinsätze gegen das Gaddafi-Regime und gegen viele unbeteiligte Zivilist*innen in Libyen, sind wie ein Déjà-vu von 1986.

Allerdings ist die Situation nach dem Super-Gau in Fukushima 25 Jahre nach Tschernobyl gänzlich anders. Die militante Anti-Atombewegung ist fast ganz verschwunden. Auf den Straßen sind zwar wieder Massen unterwegs, aber nach der Wahlniederlage der Atommafia in Baden-Württemberg träumen sie nur von der Abwahl von Gelb-Schwarz und erhoffen sich wieder einmal einen Atomausstieg von Rot-Grün. Noch wissen wir nicht, ob RWE, E.ON und Co. wirklich kampflos auf die 750.000€ pro Tag Gewinn verzichten werden und welche Tricks die Atommafia-Parteien noch anwenden werden, um die Mehrheit der Bevölkerung wieder auf ihre atomare Seite zu ziehen.

Unsere Demos der vergangenen Tage sind ein guter Anfang, aber sehr handzahm und wenig zugespitzt. Es wird Zeit für radikalen, antikapitalistischen und emanzipatorischen Widerstand!

Warum entziehen wir der Atommafia nicht mit einer wirksamen Blockade ihre Atomfabrik in Gronau?! Wann werden die Nutznießer*innen des Atomprogramms, die Aktionär*innen von RWE, E.ON, Vattenfall und CO., mit unseren Argumenten konfrontiert?! Eine gute Gelegenheit ist die RWE–Jahreshauptversammlung der Aktionär*innen am 20. April 2011 in der Grugahalle in Essen. Anti-Atomgruppen aus NRW mobilisieren ab 8:00 Uhr zu einer Blockade der Halle.

Brot und Würde…

Uns begeistert der weitgehend emanzipatorische Aufruhr in den arabischen und nordafrikanischen Ländern. Mit den Kämpfen und den Militärschlägen in Libyen drohen die emanzipatorischen Kräfte allerdings wieder ins Hintertreffen zu geraten und den Traum von einem selbstbestimmten Aufbruch in Nordafrika und in den arabischen Ländern sehr schnell zu beerdigen.

Dies wird zahlreiche Menschen mobilisieren, in die Festung Europa zu kommen. Versenken wir die Frontex-Flotte, bereiten wir uns auf den Schutz der Flüchtlinge vor und kämpfen wir gegen die rassistische Hetze!

Trotzdem, wir sind sehr bewegt über den Mut und die Solidarität der Aufständigen, über die neue Rolle der Frauen im Aufstand und der Bewegung der arbeitslosen Unterschichten, der sich bald verschiedenste Jugendliche und Gewerkschaften anschlossen.

Für diese Bewegungen ist der Kampf um Menschenrechte und Demokratie direkt verwoben mit dem Kampf um soziale Rechte, gegen Perspektivlosigkeit und die neoliberale Wirtschaftspolitik. Wir waren begeistert von den Bildern auf dem Tahrir Platz in Kairo und von den Soldaten und Bullen, die sich der Bevölkerung angeschlossen haben. Wie schnell es gehen kann, wenn die Menschen keinen Bock mehr haben…. Das wollen wir hier auch, Regierung stürzen, würdige Lebensverhältnisse für alle, nieder mit Hartz IV und der Lohnarbeit.

Auf die Straße! Für die soziale Revolution auch im Nordseeraum! Für offene kollektive Strukturen und schöne Autonome Zentren!

So jung werden wir uns nie wieder sehen…

Es ist natürlich klar, dass wir 2011 zu der Demo unsere alten Mitstreiter*innen und Genoss*innen besonders herzlich einladen. Ein „Ehrenplatz“ in der 1. Reihe ist euch sicher!

Wir laden aber auch die vielen tausend Menschen ein, die mit uns am 29.1.2011 den Nazis in Wuppertal entschlossen Paroli geboten haben. Ihr wart wunderbar, eure Entschlossenheit, eure (kreativen) Wurfgeschosse, euer Witz und eure Solidarität waren großartig.

Herzlichst eingeladen ist natürlich zur Autonomen 1.Mai-Demo und zum Straßenfest die nordstädtische Bevölkerung, die uns und unsere Hausbesetzungen, Demos, Volxküchen, Kickbox- und Antifagruppen usw. so lange ertragen und z.T. getragen hat, mit denen wir immer mal wieder gegen Polizeigewalt und Nazis gekämpft haben.

25 Jahre ist eine verdammt lange Zeit, voller gemeinsamer Erfahrungen, weniger Siege und vieler Niederlagen, Frust, Rückzug und depressiver Erlebnissen. Trotzdem gibt es immer noch – wie der 29.1. eindrucksvoll gezeigt hat – viele Menschen, die den „Kopf nicht verlieren und den Geiern nicht das Land überlassen.“ (Wuppertaler Volxslied)

Nicht betteln und bitten, sondern mutig gestritten. Für ein Leben ohne Ausbeutung, Chefs und sonstige Herren!

Was sich über die Jahre gehalten hat, ist unsere Allergie gegenüber Parteien und hierachischen Organisationen, die jede Bewegung und Organisierung kontrollieren und steuern wollen, die emanzipatorische Politik mit einem Werbeauftritt verwechseln.

Auch lehnen wir – wie vor 25 Jahren – 66 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus eine deutsche Beteiligung an Kriegen und militärischen Interventionen ab.
Vergessen wir niemals, welche Verbrechen die deutsche Militärmaschine im Vernichtungskrieg und bei der Vernichtung der Jüdinnen und Juden zu verantworten hat. Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Auch bleibt es dabei, der herrschende Kapitalismus ist nicht nur eine abstrakte Struktur und Herrschaftsform, sondern trotz aller Komplexität auch eine Herrschaftsformation mit konkreten Ausbeuter*innen und Ausgebeuteten, mit Verantwortlichen und Verantwortung. Gerade die deutsche Geschichte mit Holocaust und Vernichtungskrieg lehrt uns, kein Mensch darf seine Verantwortung abgeben. Das Unrecht hat Name und Adresse, das gilt – wie vor 25 Jahren – für alle Lebensbereiche und Herrschaftsverhältnisse. So sind z.B. Aktionen gegen Spekulant*innen, Banken, Knäste, fiese Unternehmer*innen, Frauenhändler*innen, brutale Bullen, widerwärtige ARGE-Mitarbeiter*innen etc. natürlich „verkürzte Kapitalismuskritik“, weil jede politische Praxis notgedrungen vereinfachen muss. Sie sind und bleiben aber notwendig für eine lebendige Bewegung gegen den kapitalistischen Normalzustand und für ein schönes Leben.

Und natürlich müssen wir unsere eigene Verstrickung in Herrschaftsverhältnisse z.B. als männliche Metropolenbewohner und als Mittelstandkinder mitdenken. Unsere Radikalität darf sich nicht in radikalen Parolen erschöpfen. Die Glaubwürdigkeit unserer Aktionen im Jobcenter, im Stadtteil und in den Betrieben steigt, wenn wir wirklich anders und solidarisch leben und kleine Schritte des Widerstands wagen. Unsere Anstrengungen bei Agenturschluss, beim Zahltag oder bei der 4. Woche gehen in die richtige Richtung. Sie sind bescheiden und alltäglich, aber mitunter sichtbarer und wirkungsvoller als manches Szene-Flugblatt zum Thema „Lohnarbeit“ und „Kapitalismus smashen“…

Abschaltung aller Atomanlagen sofort und weltweit – Abschaltung der herrschenden Klassen!
Belagerung der Atommafia am 20. April – RWE-Aktionär*innen blockieren!

Wir sind nicht alle – es fehlen die Gefangenen!
Solidarische Grüße an den 1.Mai Gefangenen aus Wuppertal

Für ein schönes und würdiges Leben für alle! Es lebe die soziale Revolution!

Wir grüßen die autonomen 1.Mai-Demos in Oldenburg, Nürnberg, Hamburg, Berlin, Gent, Zürich, die Euromaydays in Dortmund, Wien, Hamburg und Maribor

www.gedenkbuch-wuppertal.de ist online


Dieses digitale Gedenkbuch enthält die Namen von mehr als 3.100 Wuppertaler Opfern, die von den Nationalsozialisten ermordet oder in Lagern, Gefängnissen, „Heil- und Pflegeanstalten“ oder bei der Zwangsarbeit in Wuppertal den Tod fanden. Die Liste ist nicht vollständig, die Biographien sind lückenhaft und möglicherweise fehlerhaft. Die Todesdaten und vor allem die Todesursachen sind oft von den Mördern und ihren Bürokraten gefälscht worden. In vielen Fällen haben die Mörder ihre Opfer nicht einmal namhaft gemacht, sie sind irgendwo in den Wäldern, in den Gaskammern und in Panzergräben ermordet worden. Ihre Körper wurden in Krematorien verbrannt oder z.T. mit hohem Aufwand aus den Massengräbern exhumiert und verbrannt, um die Spuren des Massenmordes zu verwischen .

Wir dokumentieren hier erstmals die Namen von Wuppertaler NS-Opfern der verschiedenen Opfergruppen. Die „Wuppertaler“, deren Namen hier dokumentiert und deren Lebensdaten und Biographien wir hier im Internet sammeln wollen, sind aus aller Welt. „Wuppertaler“ NS-Opfer sind in unserer Definition die NS-Opfer, die einen Wuppertal-Bezug haben, die hier geboren oder gestorben sind und die hier (zeitweise) gelebt haben. Aufgenommen sind auch die Opfer der Militärjustiz, die von Wuppertaler Militärgerichten zum Tode verurteilt wurden und in Dortmund und Köln hingerichtet wurden. „Wuppertaler“ können gleichzeitig Ukrainer, Franzosen, Hamburger und Minsker sein. Teil des Gedenkbuchs sind ebenso die über Wuppertal abgeschossenen alliierten Soldaten und die amerikanischen Soldaten, die kurz vor der Befreiung Wuppertals noch ums Leben kamen.

Eine Besonderheit ist die Kategorie der „Ehren-Wuppertaler“, womit die von den Nationalsozialisten ermordeten niederländischen AktivistInnen des „Wuppertal-Komitees“ gemeint sind. Sie hatten zwischen 1935 und 1936 die weltweit beachteten Solidaritätsaktionen für die inhaftierten Angehörigen der Wuppertaler Arbeiterschaft, die in den Wuppertaler Gewerkschaftsprozessen abgeurteilt worden waren, (www.gewerkschaftsprozesse.de) organisiert. Sie wurden nach der Besetzung der Niederlande im Mai 1940 verhaftet und kamen u.a. in Konzentrationslagern und Vernichtungslagern ums Leben.

Die beiden größten Opfergruppen sind die Jüdinnen/Juden und die ZwangsarbeiterInnen. Über 1000 ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangene fanden in Wuppertal den Tod. Sie wurden von der Gestapo erhängt und erschossen oder in Arbeitserziehungslagern (AELs) und KZs zu Tode geschunden. Die Mehrheit von Ihnen starb beim „Arbeitseinsatz“ in Wuppertal, bei Bombenangriffen und Betriebsunfällen, sie starben an Tuberkulose, Ruhr, Lungenentzündung und Unterernährung. Auch Kinder waren unter den Opfern. Über 100 Zwangsarbeiterkinder überlebten die Zeit in Wuppertal nicht, z.T. weil sie in sog. „Kinderpflegestätten“ der Zwangsarbeits-Betriebe völlig unzureichend versorgt wurden.

Über 300 WuppertalerInnen wurden Opfer der „Euthanasie“-Mordprogramme. Man ermordete sie in den Gaskammern der T 4-Mordanstalten, spritzte sie in sog. Heil- und Pflegeanstalten tot, vergiftete sie oder ließ sie an Unterernährung sterben.

Außer der großen Gruppe der politisch Verfolgten sind auch die religiös Verfolgten in das Gedenkbuch aufgenommen worden. Neben den bekannten NS-Opfern wie Bernhard Letterhaus und Helmut Hesse wurden im Rahmen dieser Dokumentation auch die Opfer aus den Reihen der Zeugen Jehovas recherchiert. Weitgehend unbekannt war bis jetzt das Schicksal der Wuppertaler Sinti und Roma. Nur etwa 60 Namen der Wuppertaler Sinti und Roma, die während der NS-Zeit ermordet wurden, konnten bisher ausfindig gemacht werden.

Zum ersten Mal werden auch die Wuppertaler Opfer der Militärjustiz benannt, die erst seit kurzem vom Bundestag weitgehend rehabilitiert worden sind. Ebenfalls benannt sind die ehemaligen politischen Gefangenen, die in Strafeinheiten der Wehrmacht und der SS gezwungen wurden und dort den Tod fanden. Weiterhin haben wir die Namen der Wuppertaler Spanienkämpfer und der in den verschiedenen europäischen Widerstands- und Partisanenbewegungen kämpfenden Wuppertaler aufgelistet.

Eine weitere gesellschaftlich nahezu vergesssene Gruppe sind die als „Asoziale“, „Arbeitsscheue“, als Homosexuelle, als „Rasseschänder“ und als „Berufsverbrecher“ Verfolgte. Meist wurden sie bei Razzien festgenommen und in die Konzentrationslager eingeliefert. Nach Ablauf ihrer Gefängnisstrafen nahm man sie in „Sicherheitsverfahrung“ oder „polizeiliche Vorbeugehaft“ und lieferte sie zum Zweck der „Vernichtung durch Arbeit“ in KZs ein. Mit Unterstützung der KZ-Gedenkstätten können nun zum ersten Mal die Namen der Wuppertaler Opfer aufgelistet werden. Zu den vergessenen NS-Opfern gehören ebenso die von den Sondergerichten als „Plünderer“ und „Volksschädlinge“ zum Tode verurteilten Menschen. Auch ihrer erinnert man sich im Gedenkbuch.

25 Jahre Autonome 1.Mai Demo in Wuppertal

14:00 Uhr Treffpunkt Gathe vor dem AZ
anschließend Straßenfest auf dem Schusterplatz

Alle sollen verschwinden – Regierung stürzen!
Für die soziale Revolution!

Liebe Genoss*innen aus aller Welt, liebe Freund*innen des autonomen
1.Mai in Wuppertal

1986 Vor genau 25 Jahren wurde die Tradition einer autonomen 1.Mai Demo
in Wuppertal begründet, als wir uns – aus guten Gründen – von der
DGB-Demonstration trennten und nach links in die Elberfelder Nordstadt
zogen. 250 Demonstrant*innen zogen am Arbeitsamt und bei diversen
Sklavenhändlern/Leiharbeitsfirmen vorbei, um unsere Ablehnung gegenüber
dem kapitalistischen Normalzustand Ausdruck zu verleihen. Auch die 1.
Mai-Straßenfeste sind 1986 zum ersten Mal organisiert worden und finden
seit 25 Jahren mit oder ohne Giraffen auf dem Schusterplatz statt.
Das Jahr 1986 war ein besonders ereignisreiches Jahr – nicht nur – für
Wuppertal. Im März griffen die USA Lybien an und die Straßen waren
voller protestierender Menschen, auch in Wuppertal. Kurz vor dem 1.Mai
war das Atomkraftwerk in Tschernobyl explodiert und hatte ganz Europa
mit radioaktivem Material verseucht und zahlreiche Menschen getötet. Die
Menschen reagierten zunächst voller Angst, dann aber voller Wut und
gezielter politischer Militanz. In Wuppertal wurde das Rathaus gestürmt,
es gab in Wuppertal zahlreiche Brandanschläge gegen Nutznießer*innen des
Atomprogramms. Pfingsten und im Juni 1986 zog eine neue starke
Anti-Atom-Bewegung nach Brokdorf und Wackersdorf und kämpfte gegen
Bullenarmeen und gegen die mörderische Atom-Technologie. In Wackersdorf
entstand im Schulterschluss mit der einheimischen Bevölkerung in der
Oberpfalz eine massenmilitante Bewegung, die schließlich die geplante
Wiederaufbereitungsanlage verhinderte. Für die Demo in Brokdorf zogen
Zehntausende sehr entschlossene und z.T. gut bewaffnete in die militante
Auseinandersetzung, die aber in Kleve kurz vor Brokdorf mit einer
schweren Niederlage der militanten Anti-AKW-Bewegung endete.

2011 Die jüngsten Ereignisse, die Explosion des Atomkraftwerks in Japan
und die Militäreinsätze gegen das Gaddafi-Regime und gegen viele
unbeteiligte Zivilist*innen in Lybien, sind wie ein Déjà-vu von 1986.

Allerdings ist die Situation nach dem Super-Gau in Fukushima 25 Jahre
nach Tschernobyl gänzlich anders. Die militante Anti-Atombewegung ist
fast ganz verschwunden. Auf den Straßen sind wieder Massen unterwegs.
Aber nach der Wahlniederlage der Atommafia in Baden-Württemberg träumen
sie von der Abwahl von Gelb-Schwarz und erhoffen sich wieder einmal
einen Atomausstieg von Rot-Grün. Noch wissen wir nicht, ob RWE, E.ON und
Co. wirklich kampflos auf die 750.000 € pro Tag Gewinn verzichten werden
und welche Tricks die Atommafia-Parteien noch anwenden werden, um die
Mehrheit der Bevölkerung wieder auf ihre atomare Seite zu ziehen.

Unsere Demos der vergangenen Tage sind ein guter Anfang, aber sehr
handzahm und wenig zugespitzt. Es wird Zeit für radikalen,
antikapitalistischen und emanzipatorischen Widerstand!

Warum entziehen wir der Atommafia nicht mit einer wirksamen Blockade
ihre Atomfabrik in Gronau. Wann werden die Nutznießer des Atomprogramms,
die Aktionäre von RWE, E.ON, Vattenfall und Co., mit unseren Argumenten
konfrontiert? Eine gute Gelegenheit ist die RWE –Aktionärsversammlung am
20. April 2011 in der Grugahalle in Essen. Anti-Atomgruppen aus NRW
mobilisieren ab 8:00 Uhr zu einer Belagerung der Halle.

Brot und Würde…

Uns begeistert der weitgehend emanzipatorische Aufruhr in den arabischen
und nordafrikanischen Ländern. Mit den Kämpfen und den Militärschlägen
in Lybien drohen die emanzipatorischen Kräfte wieder ins Hintertreffen
zu geraten und den Traum von einem selbstbestimmten Aufbruch in
Nordafrika und in den arabischen Ländern sehr schnell zu beerdigen.

Dies wird zahlreiche Menschen mobilisieren, in die Festung Europa zu
kommen. Versenken wir die Frontex-Flotte, bereiten wir uns auf den
Schutz der Flüchtlinge vor und kämpfen wir gegen die rassistische Hetze!

Trotzdem, wir sind sehr bewegt über den Mut und die Solidarität der
Aufständigen, über die neue Rolle der Frauen im Aufstand und der
Bewegung der arbeitslosen Unterschichten, der sich bald verschiedenste
Jugendliche und Gewerkschaften anschlossen.

Für diese Bewegungen ist der Kampf um Menschenrechte und Demokratie
direkt verwoben mit dem Kampf um soziale Rechte, gegen
Perspektivlosigkeit und die neoliberale Wirtschaftspolitik. Wir waren
begeistert von den Bildern auf dem Tahrir Platz in Kairo und von den
Soldaten und Bullen, die sich der Bevölkerung angeschlossen haben. Wie
schnell es gehen kann, wenn die Menschen keinen Bock mehr haben…. Das
wollen wir hier auch, Regierung stürzen, würdige Lebensverhältnisse für
alle, nieder mit Hartz IV und der Lohnarbeit.

Auf die Straße! Für die soziale Revolution auch im Nordseeraum! Für
offene kollektive Strukturen und schöne Autonome Zentren!

So jung werden wir uns nie wieder sehen…

Es ist natürlich klar, das wir 2011 zu der Demo unsere alten
Mitstreiter*innen und Genoss*innen besonders herzlich einladen. Ein
„Ehrenplatz“ in der 1. Reihe ist euch sicher!

Wir laden aber auch die vielen tausend Menschen ein, die mit uns am
29.1.2011 den Nazis in Wuppertal entschlossen Paroli geboten haben. Ihr
wart wunderbar, eure Entschlossenheit, eure (kreativen) Wurfgeschosse,
euer Witz und eure Solidarität waren großartig.

Herzlichst eingeladen ist natürlich zur Demo und zum Straßenfest die
nordstädtische Bevölkerung, die uns und unsere Hausbesetzungen, Demos,
Volxküchen, Kickbox- und Antifagruppen usw. so lange ertragen und z.T.
getragen hat, mit denen wir immer mal wieder gegen Polizeigewalt und
Nazis gekämpft haben.

25 Jahre ist eine verdammt lange Zeit, voller gemeinsamer Erfahrungen,
weniger Siege und vieler Niederlagen, Frust, Rückzug und depressiver
Erlebnissen. Trotzdem gibt es immer noch – wie der 29.1. eindrucksvoll
gezeigt hat – viele Menschen, die den „Kopf nicht verlieren und den
Geiern nicht das Land überlassen.“ (Wuppertaler Volxslied)

Nicht betteln und bitten, sondern mutig gestritten. Für ein Leben ohne
Ausbeutung, Chefs und sonstige Herren!

Was sich über die Jahre gehalten hat, ist unsere Allergie gegenüber
Parteien und hierachischen Organisationen, die jede Bewegung und
Organisierung kontrollieren und steuern wollen, die emanzipatorische
Politik mit einem Werbeauftritt verwechseln.

Auch lehnen wir – wie vor 25 Jahren – 66 Jahre nach der Befreiung vom
Nationalsozialismus eine deutsche Beteiligung an Kriegen und
militärischen Interventionen ab. Vergessen wir niemals, welche
Verbrechen die deutsche Militärmaschine im Vernichtungskrieg und bei der
Judenvernichtung zu verantworten hat. Nie wieder Faschismus – nie wieder
Krieg.

Auch bleibt es dabei, der herrschende Kapitalismus ist nicht nur eine
abstrakte Struktur und Herrschaftsform, sondern trotz aller Komplexität
auch eine Herrschaftsformation mit konkreten Ausbeutern und
Ausgebeuteten, mit Verantwortlichen und Verantwortung. Gerade die
deutsche Geschichte mit Holocaust und Vernichtungskrieg lehrt uns, kein
Mensch darf seine Verantwortung abgeben. Das Unrecht hat Name und
Adresse, das gilt – wie vor 25 Jahren – für alle Lebensbereiche und
Herrschaftsverhältnisse. Z.B. Aktionen gegen Spekulant*innen, Banken,
Knäste, fiese Unternehmer*innen, Frauenhändler*innen, brutale Bullen,
widerwärtige ARGE-Mitarbeiter*innen etc. sind natürlich „verkürzte
Kapitalismuskritik“, weil jede politische Praxis notgedrungen
vereinfachen muss. Sie sind und bleiben aber notwendig für eine
lebendige Bewegung gegen den kapitalistischen Normalzustand und für ein
schönes Leben.

Und natürlich müssen wir unsere eigene Verstrickung in
Herrschaftsverhältnisse z.B. als männliche Metropolenbewohner und als
Mittelstandkinder mitdenken. Unsere Radikalität darf sich nicht in
radikalen Parolen erschöpfen. Die Glaubwürdigkeit unserer Aktionen im
Jobcenter, im Stadtteil und in den Betrieben steigen, wenn wir wirklich
anders und solidarisch leben und kleine Schritte des Widerstands wagen.
Unsere Anstrengungen bei Agenturschluss, beim Zahltag oder bei der 4.
Woche gehen in die richtige Richtung. Sie sind bescheiden und
alltäglich, und sichtbarer und wirkungsvoller als manches
Szene-Flugblatt zum Thema „Lohnarbeit“ und „Kapitalismus smashen“…

Abschaltung aller Atomanlagen sofort und weltweit – Abschaltung der
herrschenden Klassen!
Belagerung der Atommafia am 20. April – RWE-Aktionäre blockieren!

Wir sind nicht alle – es fehlen die Gefangenen!
Solidarische Grüße an den 1.Mai Gefangenen aus Wuppertal

Für ein schönes und würdiges Leben für alle! Es lebe die soziale Revolution!

Wir grüßen die autonomen 1.Mai-Demos in Oldenburg, Nürnberg, Hamburg,
Berlin, Gent, Zürich, die Euromaydays in Dortmund, Wien, Hamburg und
Maribor.




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