Nichts und Niemand ist vergessen!


Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ (Der Schwur von Buchenwald)

IM GEDENKEN AN HORST PULTER

am 05. Februar 2010 veranstalten Velberter Aktivisten eine Mahnwache in Gedenken an den 15 Jahre zuvor ermordeten Obdachlosen Horst Pulter:

Kein Vergeben, kein Vergessen – Auch Obdachlose haben Namen!
Gedenkmahnwache für den von Neonazis ermordeten Horst Pulter
am 05. Februar 2010 | 15 Uhr | Herminghauspark, Velbert

Am Sonntag, den 05. Februar 1995 wurde der 65-jährige Obdachlose Horst Pulter im Velberter Herminghauspark von sieben rechtsextremen Jugendlichen zunächst als »Penner« und »Scheißjude« verhöhnt und dann ermordet. Sie quälten ihn mit Tritten und Schlägen, dann stach der damals 22- jährige Haupttäter, der wegen rechtsextremer Umtriebe aus der Bundeswehr entlassen worden war, zu. In den Wohnungen der Täter werden Fotos mit Hakenkreuzen und Hitlergruß gefunden.

Hintergrund:

Im Gerichtssaal spricht der Staatsanwalt von einer „rechtsradikalen, menschen-verachtenden Gesinnung“. Die Neonazis gaben an, dass sie „nur Penner klatschen“ wollten. Dass es sich dabei auch um eine Tat mit rechtem Hintergrund handelte, wurde von Justiz und Polizei jahrelang verschwiegen. Doch all das scheint heute mehr denn je Geschichte zu sein. Kaum jemandem in der Velberter Bevölkerung ist noch der Mord an Horst Pulter bekannt.

Wir möchten darum den Mord an Horst Pulter wieder in das Gedächtnis der Menschen rufen. Ein Anfang dafür ist für uns die Mahnwache am 05. Februar 2010 im Velberter Herminghauspark.

Der Mord an Horst Pulter ist kein Einzelfall. Fünfzehn tote Obdachlose durch rechte Gewalt verzeichnet die Chronik der Frankfurter Rundschau. Nur vier von ihnen werden von der Bundesregierung unter den Tötungsdelikten mit rechtsextremistischem oder fremdenfeindlichem Hintergrund der vergangenen Jahre erwähnt. Seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 bis heute wurden 149 Menschen aus rechtsextremen oder rassistischen Gründen ermordet. Wir möchten das Gedenken an Horst Pulter und alle anderen Opfer menschenverachtender Ideologien in Erinnerung halten.

Der Mord am Obdachlosen Horst Pulter wurde nie richtig aufgearbeitet. Fragen wir heute einige Menschen in Velbert, ob ihnen der Name Horst Pulter etwas sagt, so kriegen wir teilweise die Auskunft, dass ihn niemand kennt. Wenige wiederum erinnern sich vage an die Geschehnisse im Jahr 1995, haben diese aber weitestgehend ad acta gelegt. Dies wollen wir so nicht stehen lassen.

Wir müssen das Gedenken an die Opfer faschistischer Gewalt aufrechterhalten. Wenn wir es nicht tun, überlassen wir die Geschichtsschreibung dem Lauf der Zeit und damit dem Vergessen. Gerade jetzt, zum 65. Jahrestag des Endes des Nationalsozialismus ist es um so wichtiger, auf Missstände hinzuweisen, rechtsradikale Strömungen und Strukturen in Velbert zu bekämpfen und dergleichen Taten für immer zu verhindern.

Der Mord an Horst Pulter und andere Gewalttaten zeigen immer wieder, unsere Gesellschaft ist eine Wegguckgesellschaft. Jeder kümmert sich nur noch um sich selbst. Dabei kann schon ein Anruf bei der Polizei
helfen.. Wir treten daher für mehr Courage ein, damit die Gesellschaft nicht weiter wegschaut. Dieses ist nicht nur ein Aufruf zum Gedanken an Horst Pulter, es ist ein Anruf an die Gesellschaft, sich Gedanken zu machen und mehr Zivilcourage zu zeigen.

Wir hoffen auf Ihre Unterstützung.


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