Rede im Opernhaus

PRESSEERKLÄRUNG

Das Bündnis „Wuppertaler_Innen wehren sich gegen das Totsparen“ protestiert im Opernhaus

Am Dienstag den 22.12.2009 protestierte das Bündnis „Wuppertaler_Innen wehren sich gegen das Totsparen“ im Operhaus gegen die Sparpläne der Stadt Wuppertal. Nach dem Ende der Vorstellung „Im Dickicht der Städte“ enterten wir die Bühne und wehrten uns gegen das Spardiktat der Stadtverwaltung. Das Publikum belohnte die Aktion mit viel Applaus.

Wuppertaler_Innen wehren sich gegen das Totsparen. Das ist unsere Parole. Wir sagen nein zu den unsozialen Kürzungs- und Schließungsplänen. Wir solidarisieren und heute mit den Beschäftigten des von der Schließung bedrohten Schauspielhauses Wuppertal. Verkleidet als die Frühschwimmerin von der Mirke, dem Bademeister vom Hallenbad Ronsdorf, den streikenden Bauarbeiter vom Döppersberg und den Kinder von der Kita solidarisierten wir uns mit allen vom Spardiktat Betroffenen. Wir forderten eine soziale Stadt für alle.

Sie wollen für eine soziale und kulturelle Infrastruktur kämpfen, die aus unseren Ansprüchen erwächst und nicht vom Kommerz und reichen Gönnern abhängt. Dazu gehört Kostenloses Schulmittgessen, öffentlich finanzierte Theater und Musen, ein bezahlbarer öffentlicher Nahverkehr, kostenlose Kitaplätze bis hin zum gebührenfreien Studium.

Gefordert sind wir alle. Das Publikum genauso wie die 200 Beschäftigten der Wuppertaler Bühnen, die Bademeister genauso wie der Schwimmverein, die Kitas genauso wie die Bibliotheken. Wir uns nicht gegeneinander ausspielen!

Wir wollen diesen Döppersbergumbau nicht. Wir möchten nicht, dass unser Lebensraum von noch mehr Bürotürmen, Konsumtempeln, Versicherungskolossen und ihren Parkhäusern beengt wird, währen weite Teile der Wuppertaler Bevölkerung verarmen und verelenden. Wir wollen die Verschleuderung von 20 Millionen Euro nicht, weil gleichzeitig Sozialprojekten das Wasser abgegraben wird.

Die Stadt gehört allen! Deshalb sollten auch alle die Möglichkeit haben, mitzubestimmen, wie Stadt gestaltet wird.

Wir laden zu einer ersten Solidaritäts- und Bürgerversammlung am 17. Januar 2010 um 16:00 Uhr vor das Schauspielhaus ein.

Sorgen wir dafür, das wir am 15. März 2010 massenhaft vor der entscheidenden Ratssitzung vor dem Barmer Rathaus stehen.

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6 Antworten auf „Rede im Opernhaus“


  1. 1 Administrator 23. Dezember 2009 um 16:05 Uhr

    http://www.links-netz.de/rubriken/R_infrastruktur.html

    Gibt es eine Alternative zum neoliberalen Sozialstaatsabbau?
    Umrisse eines Konzepts von Sozialpolitik als Infrastruktur
    Die Diskussion

    Zur Zeit erleben wir nicht nur in Deutschland die unsägliche Debatte einer unsäglichen Sozialpolitik-Reform. Beides ist von radikaler Einfallslosigkeit und dem festen Willen der Herrschenden geprägt, den Leuten das Leben schwerer zu machen, besonders denen, die es eh schon besonders schwer haben. Während die Arbeitslosen-Zahlen wachsen, wird unverdrossen weiter von dem illusionären Ziel der Vollbeschäftigung geredet. Nach wie vor wird so getan, als sei Lohnarbeit die einzige Form von gesellschaftlich notwendiger Arbeit. Auch die Fachleute-Kommissionen können über diese Scheuklappen nicht hinausdenken und produzieren daher Kürzungs-Vorschläge an Stelle des notwendigen grundlegenden Neu-Entwurfs.

    Die folgenden Beiträge dokumentieren den Stand der Diskussion um das von der AG links-netz entworfene Konzept einer Sozialpolitik als Soziale Infrastruktur.

  2. 2 Administrator 23. Dezember 2009 um 19:44 Uhr

    24.12.2009 / Feuilleton / junge welt
    Bühnenprotest
    Am Dienstag abend veranstaltete das Bündnis »WuppertalerInnen wehren sich gegen das Totsparen« im Wuppertaler Opernhauses eine Art Go-In, um gegen den Sparwahnsinn der Stadtverwaltung zu protestieren. Aufgrund der hohen Verschuldung der Kommune soll das Schauspielhaus viel weniger Mittel erhalten, so daß es den laufenden Betrieb voraussichtlich ab 2012 einstellen muß. Nach dem Ende der Vorstellung von »Im Dickicht der Städte« stürmte das Anti-Totspar-Bündnis die Bühne des Opernhauses und solidarisierte sich mit den 200 Beschäftigten der Wuppertaler Bühnen sowie den Bademeistern, Schwimmvereinen, Bibliotheken und Kitas, die allesamt von Kürzungs- und Schließungsplänen der Stadt bedroht sind. »Das Publikum belohnte die Aktion mit viel Applaus«, teilte das Bündnis mit. (jW)

  3. 3 Administrator 23. Dezember 2009 um 21:11 Uhr

    Seriöser Journalismus….

    Provokant statt hilflos: Der Protest formiert sich
    von Andreas Lukesch
    mit einem Kommentar von Andreas Lukesch
    Geenterte Theater-Bühnen und Brandbriefe: Wuppertal will das Spardiktat nicht einfach hinnehmen.

    Wuppertal. Am Dienstagabend wurde die Opernbühne zur Protest-Plattform. Der Applaus für die Aufführung des Brecht-Klassikers „Im Dickicht der Städte“ war noch nicht verklungen, da enterte ein fröhlicher Trupp Kostümierter die Bühne des Opernhauses. Die Demonstranten zeigten wenig schauspielerisches Talent, dafür viele Plakate mit klarer Botschaft: Baut Gesamtschulen statt den Döppersberg, erhaltet die Bäder- und Kulturvielfalt. Die Herrschaften waren bereits beim Startschuss für den Döppersberg-Umbau vorstellig geworden und nutzten nun das Sparpaket des Kämmerers für den nächsten großen Auftritt. Ihr Motto: Wuppertaler wehren sich gegen das Totsparen. Das Ensemble ließ die Amateure gewähren, sammeln die Schauspieler doch selbst Unterschriften für den Erhalt des Schauspielhauses.

    Während die Ratsfraktionen mit Ausnahme der Grünen (siehe Text auf dieser Seite) noch in der Deckung bleiben, formiert sich der Widerstand vor allem bei den Sozialinitiativen. Ihnen droht eine generelle Kürzung von zehn Prozent. Das Bündnis „Wuppertal wehrt sich“ hat bereits vor dem Landtag demonstriert. Kein Blatt vor den Mund nimmt auch der Paritätische in einem Brandbrief an Oberbürgermeister Peter Jung (CDU). Vorsitzende Monika Lottmann warnt vor einer sich beschleunigenden Abwärtsspirale, sollte die soziale und kulturelle Infrastruktur in der Stadt weiter abgebaut werden.

    * Sparpaket

    Das angesichts der drohenden Überschuldung vorgelegte Haushaltskonsolidierungskonzept der Verwaltung sieht Einsparungen in Höhe von 80 Millionen Euro vor, bis 2014 sollen insgesamt 216 Millionen Euro weniger ausgegeben werden. Für etwa die Hälfte der Maßnahmen (darunter die Schließung des Schauspielhauses) ist ein Ratsbeschluss notwendig

    Die geplanten Kürzungen im Sozialbereich könnten für einige Träger vor allem nach den Einbußen der zurückliegenden Jahre zur Existenzfrage werden. In der Folge bedeute dies für viele Dienstleister: Personalabbau. Bleiben die öffentlichen Gelder aus, sind die Initiativen verstärkt auf private Unterstützung, also Sponsoren und Spender angewiesen. Aber auch in diesem Bereich wird die Luft dünner, sprich die Konkurrenz größer. „Die Möglichkeiten zur zusätzlichen Mitteleinwerbung durch Spenden sind weitgehend ausgeschöpft. Im Gegenteil, die Einwerbung von Spenden wird durch die Konkurrenz der sogenannten Leuchtturmprojekte der Stadt wie zum Beispiel der Junior-Uni nicht leichter. Auch an dieser Stelle werden Mittel mit Unterstützung der Stadt in Projekte verschoben, die sicherlich wünschenswert und schön für die Stadt Wuppertal sind, die aber die soziale Infrastruktur nicht ersetzen können“, heißt es in dem Schreiben..

    Ähnlich wie bei den Theater-Protestlern zeigt sich auch im Schreiben des Paritätischen, dass der bereits begonnene Umbau des Döppersbergs, der 35 Millionen Euro städtische Eigenmittel verschlingen wird, weiter deutlich an Sympathien verliert. „Wenn wir vor die Wahl gestellt werden, Abbau der sozialen Infrastruktur in der Stadt oder Umbau des Döppersbergs, positionieren wir uns eindeutig für den Erhalt der sozialen Infrastruktur.“

    Dabei ist noch längst nicht ausgemacht, ob es zu der Pauschalkürzung um zehn Prozent kommt. SPD-Parteichef Dietmar Bell hatte bereits angekündigt, dass dies mit den Sozialdemokraten nicht zu machen sei. So wird Sozialdezernent Stefan Kühn (SPD) wahrscheinlich Prioritäten bei den Einsparungen im Sozialbereich setzen müssen – mit dem Ergebnis, dass es möglicherweise einzelne härter trifft als andere.

    Protest ja, aber bitte seriös
    von Andreas Lukesch
    Kommentar zum Artikel „Provokant statt hilflos: Der Protest formiert sich“

    Dass die Wuppertaler das drohende Sparpaket nicht widerstandslos hinnehmen, ist völlig in Ordnung und spricht für das Selbstbewusstsein in der Stadt. Der Protest sollte aber bitte professionell und kompetent geführt werden. Das, was die Demonstranten da auf der Opernhaus-Bühne geboten hatten, war nämlich genau das Gegenteil. Viel Show, aber nichts dahinter.

    In den Forderungen wurden Projekte wild durcheinandergeworfen und Äpfel mit Birnen verglichen. Öffentliche Gelder lassen sich nicht beliebig hin und her verschieben. Das Geld für den Döppersberg kann nicht ohne weiteres in eine neue Gesamtschule oder die soziale Infrastruktur investiert werden. Wer so argumentiert, empfiehlt sich leider nicht als Diskussionspartner.

    Verheerender ist noch die Logik, die dahinter steckt, dieses Entweder-oder. Es kann nicht darum gehen, auf den Döppersberg-Umbau zugunsten der sozialen Infrastruktur zu verzichten. Sparen ja, aber Wuppertal braucht sowohl ein neues Eingangstor zur Stadt als auch ein leistungsfähiges soziales Netz und ein Schauspiel. Wer diese Grundpfeiler der Lebensqualität und Konkurrenzfähigkeit gegeneinander ausspielt, leistet dem Widerstand gegen das Totsparen einen Bärendienst.

  4. 4 Administrator 25. Dezember 2009 um 14:53 Uhr

    Ohne Schauspiel
    Die Wuppertalfahrt

    Von Andreas Rossmann

    18. November 2009
    Als sie am 24. September 1966, mit einer Rede von Heinrich Böll, ihr Schauspielhaus eröffnete, hatte die Stadt Wuppertal 422.000 Einwohner. Wie ein großer weißer Kiesel strahlte der Neubau in der Schleife der Wupper und trotzte dem tristen Grau im engen, von der Industrie besetzten Tal, wo er sich gegen den schmutzigen Fluss und die kreischende Schwebebahn abschottet. Auch von innen begann er zu strahlen. Zadek, Bondy, Neuenfels inszenierten hier unter dem weltläufigen Intendanten Arno Wüstenhöfer, Peymann krönte Minetti im „König Lear“ – und 1973 ging hier der Stern von Pina Bausch auf, deren Tanztheater-Premieren abwechselnd im neuen Schauspielhaus in Elberfeld und im alten Opernhaus in Barmen herauskamen.

    Abwechselnd, Barmen und Elberfeld – das kennzeichnet die Geschichte, aber auch die Kommunalpolitik der erst 1929 zu Wuppertal fusionierten Doppelgroßstadt. Denn lange hat sie, der Parität und Rivalität der beiden wichtigsten Stadtteile folgend, vieles doppelt gebaut: Ausstellungshäuser, Stadtbibliotheken, Schwimmbäder. Was Barmen hatte, musste Elberfeld auch haben. Und umgekehrt. Auch das Schauspielhaus, ein markanter Bau des Hannoveraner Architekten Gerhard Graubner, war ein Zugeständnis dieser Art, wäre andernfalls doch Barmen im Vorteil und alleiniger Standort des Theaters gewesen.

    2012 soll das Licht ausgehen

    Der Stadt Wuppertal aber ging es schon, als das Haus fertig war, nicht mehr so gut wie zu der Zeit, als sein Bau beschlossen wurde. Seit Beginn der sechziger Jahre hat das einst prosperierende Zentrum der Textil- und metallverarbeitenden Industrie Arbeitsplätze und Einwohner verloren, genau 350.849 waren es am 30. Juni. Tendenz fallend. Der Prognose zufolge werden es 2015 nur noch 339.000, zehn Jahre später 322.000 sein. Doch das Schauspielhaus bietet mit seinen 740 Plätzen immer noch fast so vielen Zuschauern Platz wie das im dreimal so großen Köln. Strahlen tut es schon lange nicht mehr: In den neunziger Jahren wurde ihm ein Multiplex-Kino zur Seite gestellt, das es verdeckt und in die zweite Reihe schiebt.

    Doch selbst ein Schattendasein soll es künftig nicht mehr führen dürfen. 2012 soll das Licht ganz ausgehen. Die Stadt, die ein Schuldenberg in Höhe von 1,8 Milliarden Euro drückt, muss sparen; wenn sie so weiterwirtschaftet wie bisher, ist sie 2011 überschuldet. Dagegen haben Oberbürgermeister Peter Jung, ein bekennender Opernfan, und Kämmerer Johannes Slawig (beide CDU) ein Haushaltssicherungskonzept erarbeitet, das bis 2014 Einsparungen in Höhe von jährlich achtzig Millionen Euro vorsieht und vom Rat noch beschlossen werden muss. Die Einschnitte sind beträchtlich und haben zur Folge, dass die Bürger nicht mehr die gleichen Lebensbedingungen wie Einwohner anderer Städte in Nordrhein-Westfalen haben werden: Die Gebühren für den Kindergarten und die Musikschule, die Eintrittspreise für den Zoo und die Konzerte des Sinfonieorchesters sollen erhöht, drei Frei- und zwei Hallenbäder geschlossen, Immobilien der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft verkauft, Stellen in der Verwaltung durch Altersteilzeitregelungen abgebaut und nicht neu besetzt werden.

    Besonders hart trifft es die Kultur. Für das Theater, das gegenwärtig 10,9 Millionen Euro erhält, ist eine stufenweise Kürzung um zwei Millionen Euro und damit die Aufgabe der eigenen Spielstätte vorgesehen. Der Plan, das Schauspielhaus wie das Opernhaus, das Anfang des Jahres, vorbildlich restauriert, wiedereröffnet wurde, zu sanieren, ist damit hinfällig. Was die Stadt zu Pina Bauschs Lebzeiten nicht gewagt hätte, beginnt sie, kein halbes Jahr nach dem Tod der Choreographin, vorzubereiten: den Abriss ihres Theaters.

    Die Notbremse, welche die Stadtspitze („Wir haben keine andere Wahl“) zieht, droht Wuppertal in eine Abwärtsspirale zu treiben, die sich mit dem Verlust an kultureller Ausstrahlung beschleunigen könnte. Ihr Kreischen dürften andere Kommunen als Signal verstehen: Gerade die mittleren Großstädte in und am Rande der Ballungszentren plagt die größte Not; Hagen, Mönchengladbach und Oberhausen gelten in Nordrhein-Westfalen als die nächsten Kandidaten.

    Sollte die schwarz-gelbe Bundesregierung ihre „große“ Steuerreform auch nur teilweise zu Lasten der Kommunen realisieren, kann sie ein Theatersterben auslösen. Wuppertal aber muss nun endlich die Pläne eines „Bergischen Theaterverbunds“ mit Remscheid und Solingen vorantreiben, die fertig in der Schublade liegen.

    Text: F.A.Z.
    Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

  5. 5 Administrator 28. Dezember 2009 um 15:18 Uhr

    WR Schauspielhaus : Wuppertal ruft nach „Kunst, Kunst, Kunst“

    Kultur, 25.11.2009, Michael-Georg Müller

    Wuppertal. Am Ende der „Odyssee“ ruft Wuppertal nach „Kunst, Kunst, Kunst!” im bedrohten Schauspielhaus. Ein Zeichen gegen den drohenden Kultur-Kahlschlag in der hochverschuldeten Stadt einerseits, aber auch Begeisterung über die frisch und frech inszenierte Mythologie-Comedy.

    „Kunst, Kunst, Kunst!” skandieren am Ende der „Odyssee” nicht nur die Schauspieler. Beim Schlussapplaus der Uraufführung eines Stücks über die Irrfahrten des Königs von Ithaka eilen im Halbdunkel sämtliche Mitarbeiter der Wuppertaler Bühnen auf die Bretter und stimmen ein in den Ruf nach Kunst. Mit dieser Geste machen sie ihrem Ärger Luft – über die von Stadtvätern erwogene Schließung der Sparte Schauspiel. Das Publikum solidarisiert sich mit anhaltendem Applaus.
    Begeiststerung über frech inszenierte Mythologie-Comedy

    Das war nicht nur Protest gegen den drohenden Kultur-Kahlschlag in der hochverschuldeten Stadt, sondern auch Zustimmung und Begeisterung über die frisch und frech inszenierte Mythologie-Comedy aus der Feder von Marc Pommerening. Für altväterlich-altphilologische Schwere hat der 39-jährige Autor wenig übrig und erzählt das antike Thema der „Ilias”, die Irrfahrten des Odysseus, aus der Perspektive von dessen Sohn Telemach.

    Die Sagen-Figuren werden karikiert und parodiert, verwenden moderne Sprache und flapsige Comic-Sprüche, inklusive Exkurse in jugendliche Kraftmeierei. Sie üben sich aber auch in hehrem Homer-Duktus. Eine verwegene Mischung. Doch immer wenn das Spektakel in die Albernheiten einer Familien-Seifenoper abzugleiten droht, heben es die Mimen durch ernste Dialoge in antike Höhen empor. Und entlarven das Leiden des jungen Telemach, der vaterlos mit einer wankelmütigen und trunksüchtigen Mutter groß und zum Rebellen wird. Überspitzung, stets mit zwinkerndem Auge.

    Aggressiv und trotzig stampft und schreit der halbwüchsige Telemach (wandlungsfähig und temperamentvoll: Daniel Breitfelder) in seinem Kinderzimmer. Stubenarrest, aufoktroyiert von den Freiern seiner Mutter Penelope (mal Hure, mal Herrscherin: Sophie Basse), quittiert der verwöhnte Knabe mit schnaubender Wut und Mordgedanken. An den Kragen gehen soll es den aufgeplusterten Männern, die sich durch Heirat mit seiner Mama das Reich Ithaka unter den Nagel reißen wollen. Regisseur Christian von Treskow zeigt sie als Rad schlagende Pfauen, aufgeblasene Gockel, röhrende Hirsche und Stiere. Penelope verbarrikadiert sich, hockt auf dem Sofa und strickt, Hand und Mund immer an der Schnapsflasche.
    Heiter süffisante Familien-„Odyssee”

    Der Sohn hat die Nase voll, packt seinen Rucksack und macht sich auf die Suche nach Papa. Mit Komik und Ironie, angereichert mit allerlei Schnulzen in haarsträubenden Knittelversen auf Odyssee („Oh die See”), durchläuft der zornige Telemach seine Irrfahrten, begegnet Sirenen, die im Gewand von glitzernden Nachtclubgirls heulen, dem Zyklopen und der Blondine Circe.

    Diese heiter süffisante Familien-„Odyssee” beweist eindrucksvoll, dass Christian von Treskow als Regisseur und Intendant in Wuppertal zu neuen Ufern aufbricht. Ausgerechnet in diesen Wochen, in denen auch Stadtväter sich in blinder Sparwut auf eine Irrfahrt begeben.

    Termine: 5., 13., 17., 18., 23., 25., 30. Dezember. Karten: 0202 / 569 4444

  6. 6 Administrator 28. Dezember 2009 um 17:19 Uhr

    http://buehnengenossenschaft.de/?p=1009&preview=true

    Protestbewegung gegen die Schließung des Wuppertaler Schauspielhauses
    Geschrieben am 28.Dezember 2009 von Joerg Loewer

    Joerg LoewerAn anderer Stelle in diesem Blog wurde die Hoffnung geäußert, dass das erfolgreiche Bürgeraufbegehren um das Hamburger Gängeviertel Schule macht. Frei nach dem Motto “Die Hoffnung stirbt zuletzt” wehren sich jetzt Wuppertaler Bürger gegen die drohende Schließung ihres Schauspielhauses (und anderer kommunaler Einrichtungen).

    Geladen wird zu einer ersten Solidaritäts- und Bürgerversammlung am 17. Januar 2010 um 16:00 Uhr vor dem Schauspielhaus.

    Hier die Links zum Pressetext und der Protestaktion:

    4woche.blogsport.de/2009/12/23/rede-im-opernhaus/

    4woche.blogsport.de/2009/12/23/soliaktion-fuer-die-beschaeftigten-des-schauspielhaus-in-wuppertal/

    Das Video zur Protestaktion wird freundlicherweise gleich mit angezeigt.

    Dann wünschen wir von hier aus gutes Gelingen und viel Erfolg. Und vor allem zahlreiche Teilnahme.

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