40 Jahre AZ Wuppertal

40 Jahre Autonome Zentren in Wuppertal – 40 Jahre selbstverwaltete Zentren und soziale Bewegungen

40 Jahre kein Tag ohne…

Im Jahr 1973 schwappte die bundesweite Jugendzentrumsbewegung auch nach Wuppertal. Wie Zeitzeug*innen berichten, war ein wichtiger Motivator für eigene selbstverwaltete Räume eine Veranstaltung der Berliner Rauch-Haus-Besetzer*innen in Wuppertal. Inspirierend war auch eine Veranstaltung über das legendäre Amsterdamer Kulturzentrum Melkweg und zahllose Trips nach Amsterdam…

Am 19. Mai 1973 gründete sich folgerichtig die Initative für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum ISJ, am 17. September 1973 besetzten über hundert Jugendliche eine alte Villa im Zooviertel und forderten so ein selbstverwaltetes Jugendzentrum. Das war gleichzeitig die erste Hausbesetzung in Wuppertal nach 1945.
Auch wenn die Polizei schnell die alte Villa an der Hubertusallee 16 räumte und die Hausbesetzer*innen wegen “Hausfriedensbruch” vor Gericht zerrte, war die Forderung nach einem selbstverwalteten Zentrum nicht mehr totzukriegen – bis heute! Weitere Hausbesetzungen und Aktionen des ISJ hielten die Wuppertaler Öffentlichkeit und die Polizei in Atem.
Parallel zum ISJ entstanden 1973-1975 weitere Initiativen wie die Börse in Elberfeld und natürlich “Das Haus e.V”, die im Jahre 1973 ihr erstes Domizil in einem alten Gebäude in der Langerfelderstrasse 41a anmieteten, um unabhängig von irgendwelchen Institutionen ihre Freizeit selbst gestalten zu können. Es entstanden linke Buchläden, die ersten Frauen-Gruppen, Frauennotruf und Frauenhäuser. Anti-Atom-Initiativen wie der AKU, Kommunen und Hausprojekte und zahlreiche Initiativen gegen die Totalsanierung ganzer Stadtteile breiteten sich aus.

In den letzten 40 Jahren gab es zahllose weitere Kämpfe um selbstverwaltete Zentren, zu erinnern ist an die besetzte Adlerbrauerei von 1980, an die Miet- und Baukämpfe in der Langerfelderstrasse und Spitzenstrasse, an die AZ´s in der Hedwigstrasse (1986), in der Uellendahlerstrasse (1989), an die besetzte Muno-Fabrik (1989)…

Auch 2013 sind selbstverwaltete Strukturen und Zentren nie sicher. Auch wenn das Autonome Zentrum aus den politischen und sozialen Auseinandersetzungen in Wuppertal, nicht wegzudenken ist – man denke nur an den Kampf gegen die wiedererstarkte Naziszene – , ist die Existenz des AZ auch im 40. Jubiläumsjahr nicht gesichert.
2013 droht dem heutigen AZ die Verdrängung von der Gathe, wenn es den Stadtpolitiker*innen gelingt die Existenz des AZ an der Gathe gegen Neubaupläne der Elberfelder Moschee auszuspielen.

Nun soll an diese ersten Kämpfe um selbstverwaltete Zentren erinnert werden und deshalb lädt das aktuelle Autonome Zentrum an der Gathe die Pionier*innen der Zentrums-Bewegungen der 70iger, 80iger und 90iger, aber auch die Aktivist*innen der anderen sozialen Bewegungen und nicht zuletzt auch die Freund*innen aus den näheren und ferneren Städten zum 40. Jahre AZ-Fest, zum Transbergischen Triathlon, zur 1.Mai Demo und zu den anderen Veranstaltungen nach Wuppertal ein.

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Kommt alle zu unserem Klassentreffen der Generationen!

AZ´s, Wagenburgen, Hausbesetzer*innen, Sprayer*innen, Antifas und Fantifas, Frauengruppen, kurdische und türkische Freud*innen, Antira- und Flüchtlingsgruppen, Buchladenkollektive und Infoladengruppen, Anarchos, Antiimps und Autonome, Schwarz-Rote Hilfen und Knastgruppen, Schwule und Lesben-Gruppen, Kulturschaffende, Punks und Skins, AZ-Angels, AKW-Gegner*innen, Unigruppen und Ökoreferent*innen, Spanien-, Portugal-, Nicaragua-, El Salvador-, Türkei- und Kurdistan-Komitees, Kickboxabteilungen, Partizan Ölberg, …

Geht mit uns auf die Zeitreise, bringt auf die Party eure Geschichte(n) und Erfahrungen mit.

Für einen lebendigen und kritischen Geschichts- und Erfahrungsaustausch!

Selbstverwaltete Strukturen verteidigen. Kein Tag ohne Autonome Zentren…

Freiheit für Sonja und Christian!

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der (vorläufige) Festkalender:

27. März 2013, 19:00 Uhr, AZ

Freiheit und Glück für Sonja und Christian
Veranstaltung

www.verdammtlangquer.org

03. April 2013, 19:00 Uhr, AZ

Fantifa – Buchvorstellung

Antifa heißt (auch) Feminismus.
Feministische Perspektiven antifaschistischer Politiken

www.edition-assemblage.de/fantifa

06. April 2013, 20:00 Uhr, AZ

Solikonzert für das Anarchist Black Cross Belarus

La Societe Elle A Mauvaise Haleine (Anarcho-Punk / Lille /F)
Daddy Longleg (Punk / Münster)

19. April 2013, 21:00 Uhr, AZ

Solikonzert fürs AZ und für die Wuppertaler Antifas

Simple Tings (Wuppertal)

Irie Révoltés Soundsystem-Show
mit Mal Élevé & DJ SEVEN

www.irie-revoltes.com

24. April 2013, 19:00 Uhr, AZ

Erzählcafe mit den Protagonist*innen der verschiedenen Bewegungen (ISJ, Haus e.V., Börse, Buchladen, Lehrlingsbewegung, Adlerbrauerei, Hedwigstrasse, Muno…)

26. April 2013

40 Jahre AZ-Fest
40 Jahre selbstverwaltete Zentren und soziale Bewegungen

19.00 Uhr gemeinsames Essen

Livemusik u.a.:
• Lilith
• Va Bene
• Börsen-Beat-Band
• Yok (Berlin)
• Microphone Mafia (HipHop – Köln)
• Gorilla Beerkids (Live-Punkrock-Karaoke – Bremen)

anschl. Dj*anes in allen Räumen

27. April 2013, 11:00 Uhr, Otto-Böhne-Platz

6. Transbergische Triathlon
u.a. Ölberg-Radrennen, Bootstour

28. April 2013, 14:00 Uhr, CaféADA (Wiesenstrasse 6)

«Die Dämmerung vorbereiten – Solidarität mit der griechischen Antifa!»
Infoveranstaltung

soli-komitee-wuppertal.mobi

30. April 2013, 21:00 Uhr, Deweertschen Garten

Nacht-Tanzdemo
Die Stadt gehört uns! Keine Erweiterung der City-Arkaden in Elberfeld! Kommunaler Ordnungsdienst verpiss dich! Keine Freiräume für Nazis! Das AZ bleibt auf der Gathe!

soli-komitee-wuppertal.mobi

01. Mai 2013

“Heraus zum Autonomen 1.Mai! Kommt nach vorne”
Autonome 1.Mai Demo anschl. Straßenfest

Achtung neue Anfangszeit: 17:00 Uhr, Gathe
vormittags: Naziaufmarsch in Dortmund stören, Wuppertaler Nazis an der Anreise hindern…

autonomer1mai.noblogs.org

08. Mai 2013, 19:00 Uhr, AZ

Veranstaltung zum 20. Jahrestag des Brandanschlages von Solingen

15. Mai 2013, 19:00 Uhr, AZ

Keine Forensik – keine Sicherheitsverwahrung! Für eine Gesellschaft ohne Knäste – Veranstaltung mit dem Autonomen Knastprojekt Köln

autonomes-knastprojekt.blogspot.de

22. Mai 2013, 19:00 Uhr, AZ

Typ F – Filmvorführung

www.grupyorum.net

25. Mai 2013, 13:00 Uhr, Solingen Südpark (Bahnhof Solingen-Mitte)

Bundesweite Demonstration zum 20. Jahrestag des Solinger Brandanschlages

solingen93.org

29. Mai 2013, Rathausplatz Solingen

29.5.1993 – 29.5.2013
20 Jahre nach dem Solinger Brandanschlag
Gegen Rassismus und Neofaschismus: Das Problem heißt Rassismus!

19:00 Uhr, Kundgebung
19:30 Uhr, Demonstration

solingen93.org

30./31. August 2013, AZ

Festival u.a. mit:

Agnosy (Crust / London)
Los Rezios (Crustcore / Peru)
Lust for Death (CrustMetal / Frankreich)
Malform (Death Metal / Bremen)
Moribund Scum (MetalCrust / Braunschweig)
Reactory (Old School 80′s Thrashmetal / Berlin)
Post War Perdition (Death Metal / Berlin)
Silence Means Death (Crust’n‘Roll / Belgien)

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Veranstaltungsankündigungen:

27. März 2013, 19:00 Uhr, AZ

Freiheit und Glück für Sonja und Christian – Widerständiges Leben ist keine Frage des Alters

Anfang der 70iger Jahre waren bewegte Zeiten. Nicht nur die Bewegung für autonome und selbstverwaltete Zentren machte auf sich aufmerksam, sondern auch diverse andere Bewegungen und Zusammenhänge. Eine von ihnen waren die Revolutionären Zellen (RZ) die November 1973 ihre ersten Aktionen gegen den Telekommunikations-Konzern ITT durchführte, ein Konzern, der das Pinochet-Regime in Chile unterstützte.

Sonja Suder und Christian Gauger sind im Herbst 2011 nach 33 Jahren im Exil von Frankreich nach Deutschland ausgeliefert worden. Seit September vergangenen Jahres wird ihnen der Prozess vor dem Landgericht Frankfurt gemacht. Sie sollen an Aktionen der Revolutionären Zellen (RZ) von 1977 gegen Atomkonzerne, Apartheid in Südafrika und Stadtsanierungs- und Vertreibungspolitik (heute Gentrifizierung genannt) beteiligt gewesen sein. Ein weiterer Vorwurf, gegründet auf eine umstrittene Kronzeugenaussage, lautet, Sonja hätte den Überfall auf die Opec-Konferenz 1975 logistisch unterstützt. Sonja ist 80 Jahre alt und sitzt in Frankfurt Preungesheim im Knast, Christian ist 71 und unter Auflagen frei. Beide lehnen jegliche Zusammenarbeit mit der Justiz ab.

An diesem Abend werden zwei Kölner Aktivisten über den Staatsschutzprozess in Frankfurt und die militante Geschichte in der Bundesrepublik referieren und über deren Aktualität der Politik diskutieren.

03. April 2013, 19:00 Uhr, AZ

Fantifa – Buchvorstellung

Antifa heißt (auch) Feminismus.
Feministische Perspektiven antifaschistischer Politiken

Teile des Herausgeber*innenkollektivs lesen aus dem Buch “Fantifa. Feministische Perspektiven antifaschistischer Politiken”.

Feministische Antifa oder Frauen-Antifa Gruppen entstanden in den frühen 1990er Jahren, meist als Reaktion auf einen fortgesetzten Sexismus in männlich dominierten Antifa-Zusammenhängen. Heute gibt es nur noch wenige solcher Fantifa-Gruppen und auch in der antifaschistischen “Geschichtsschreibung” spielen sie kaum eine Rolle.
Das Buch “Fantifa. Feministische Perspektiven antifaschistischer Politik” will das ändern. Es geht den Spuren nach, lässt Aktivistinnen zu Wort kommen, beleuchtet aktuelle feministische Antifa-Arbeit, erläutert inhaltliche Schwerpunkte, fragt nach, was aus Fantifa-Gruppen wurde, eröffnet einen Blick auf die Möglichkeiten männlicher antisexistischer Handlungsräume und diskutiert die fortgesetzte Notwendigkeit feministischer Perspektiven in antifaschistischer Politik.
Interviews mit Aktivistinnen werden ausführlich durch das Herausgeber*innenkollektiv eingeführt und durch Originaldokumente illustriert. Die vergangenen und aktuellen Debatten um Feminismus, Antisexismus und Antifaschismus sollen so zusammengebracht werden.

22. Mai 2013, 19:00 Uhr, AZ

Typ F – Filmvorführung

Die Musikgruppe Grup Yorum ist in der Türkei sehr populär. Ihre Mitglieder wurden mehrfach verhaftet und gefoltert. Im vergangenen Jahr spielten sie ein Konzert in Istanbul mit dem Titel »eine völlig unabhängige Türkei« – vor rund 350000 Menschen. Nun hat Grup Yorum einen Kinofilm produziert: »Typ F«, an dem neun bekannte türkische Regisseure, darunter Ezel Akay, Baris Pirhasan und Reis Celik, mitgearbeitet haben. Der Film ist eine Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm und handelt von den Isolationshaftbedingungen in den sogenannten F-Typ-Gefängnissen und dem Kampf der politischen Gefangenen gegen einen Staat, der sie nicht nur in einem übertragenen Sinn vernichten will. Vom 19.-22. Dezember 2000 griff der Staat 20 Gefängisse militärisch an, in denen sich revolutionäre Gefangene mit einem Todesfasten gegen die Verlegung in die Isolationszellen des Typ F wehrten, dabei starben 28 Häftlinge.

5. Juli 2012 Buchvorstellung: Stephan Stracke: Die Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse.
Gewerkschaftlicher Widerstand und internationale Solidarität.

19:30 Uhr in der neuen Geschäftsstelle von Verdi und DGB Hoeftstrasse 4 / Bahnhof Wuppertal-Steinbeck

mit Angehörigen der WiderstandskämpferInnen aus Wuppertal, Amsterdam, Voorburg und
Hoorn:

- Marianne Hecht-Wieber (Wuppertal), VVN-BdA und Tochter von Emil Löhde
- Sinja Alma (Hoorn, Niederlande), Tochter von Aleida Lie Heijnen (Wuppertal-Komitee)
- Peter Alma (Amsterdam, Niederlande), Sohn von Aleida Lie Heijnen (Wuppertal-Komitee)
- Ans Samama-Polak (Voorburg, Niederlande), Tochter des jüdischen Widerstandskämpfers und Philosophen Leo Polak

Veranstalter: Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal e.V.

weitere Informationen
www.gedenkbuch-wuppertal.de
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Das Buch:
Stephan Stracke: Die Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse. Gewerkschaftlicher Widerstand und internationale Solidarität (= Verfolgung und Widerstand in Wuppertal; Bd. 12), De Noantri Bremen, Wuppertal: 012, 546 S., ISBN 978-3-943643-00-8, EUR 29,80

ab nächste Woche im Buchhandel oder Buchbestellung: bei denoantri@web.de

Die Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse

Im Herbst 1934 war es der KPD im Großraum Wuppertal gelungen, in einem organisierten überbetrieblichen Rahmen, gemeinsam mit Sozialdemokraten und Parteilosen, 48 betriebliche Widerstandsgruppen u.a. bei Vorwerk, Bemberg, Herberts, Hülsbeck& Fürst und Tiefenthal aufzubauen, die direkt in fabrikinterne Auseinandersetzungen eingriffen, die eigene Zeitungen herstellten und Kurzstreiks auslösten. In Velbert wurde sogar der Deutsche Metallarbeiter-Verband (DMV) unter Beteiligung von sozialdemokratischen DMV-Funktionären wieder gegründet.
Zu Jahresbeginn 1935 startete die Gestapo eine beispiellose Verhaftungsoperation. Von 1935 bis 1937 wurden im Großraum Wuppertal insgesamt mehr als 1.900 Menschen verhaftet und 649 Personen von ihnen in den sog. Wuppertaler Gewerkschaftsprozessen wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Teil zu mehrjährigen Haftstrafen
verurteilt. 17 Aktivisten verloren ihr Leben während der polizeilichen Voruntersuchung. Mit Ewald Funke starb einer der Hauptakteure des Wuppertaler Widerstandes 1938 unter dem Fallbeil in Berlin-Plötzensee.

Die sogenannten „Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse“ erlangten eine große internationale Beachtung. Europaweit setzten sich über die Parteiengrenzen hinweg Unterstützer für die 1.900 verhafteten Wuppertaler Arbeiter ein. Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) und auch der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei im Exil (SOPADE) unterstützten die verhafteten Wuppertaler Arbeiter.

Wuppertal-Komitee

Herausragend war die Unterstützung der Wuppertaler WiderstandskämpferInnen durch die
weltweite Menschenrechtskampagne des Wuppertal-Komitees. Ein von
niederländischen Intellektuellen und der KPD-Abschnittsleitung in
Amsterdam gegründetes „Centraal Comité Wuppertal Proces“
(Wuppertal-Komitee) begann Weihnachten 1935 Geld für die Familien der
Verhafteten zu sammeln. Auf dem Höhepunkt der Kampagne
entsandten französische Gewerkschaften und holländische Studentenorganisationen
Delegationen zu den Prozessen nach Wuppertal.Die Liste der ungefähr 60
namentlich bekannten Unterstützer und Aktivisten liest sich wie ein „Who
is Who“ der niederländischen Arbeiter-, Frauen- und Friedensbewegung.
Herauszuheben sind die international bekannte Frauenrechtlerin und
Friedensaktivistin C.R. Ramondt-Hirschmann, der Philosoph Hendrik
Josephus Pos, der Historiker Jan Romein, der Philosoph Leo Polak, die
Lehrerin Aleida Lie Heijnen, der Rechtsanwalt Isaak Kisch und die Grande
Dame der niederländischen Arbeiterbewegung Henriette Roland Holst-van
der Schalk.Viele der Prominenten hatten sich bereits vorher für deutsche
Flüchtlinge eingesetzt und waren seit Juni 1936 im „Komitee für
Wachsamkeit“ organisiert.

Als die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 die Niederlande überfiel, waren die
Aktivitäten des Wuppertal-Komitees bei den Nationalsoziallisten nicht
vergessen. Im Gegenteil: vor allem die jüdischen Niederländer, die für
das Wuppertal-Komitee gearbeitet hatten, waren in größter Gefahr.
Insgesamt sechs jüdische Komitee-Mitglieder fanden gewaltsam den
Tod.Vier jüdische Angehörige des W.K. wurden in Konzentrationslagern
ermordet. Andere wurden verhaftet und in Verhören von der Gestapo
gequält.

Kurzbiographien

Leonard Polak

Leonard Polak, Jahrgang 1880, war Professor für Philosophie und Strafrecht an
der Universität in Groningen. Als Humanist und Atheist engagierte er
sich im Wuppertal-Komitee und vor allem als Wortführer der
Freidenkervereinigung „De Dageraad“. Er war u.a. Redaktionsmitglied der „Tijdschrift voor Wijsbegeerte“ und der „Algemeen Nederlandsch Tijdschrift voor Wijsbegeerte“ (ANTW).
Leonard Polak versuchte nach dem 10. Mai 1940 vergeblich mit seiner Familie
nach England zu flüchten. Im November 1940 wurde er als Jude von den
Besatzern in den Ruhestand versetzt. Von seinem Vorgesetzten, dem Rektor
der Universität Groningen, wurde Leonard Polak bei den Behörden
denunziert, weil er in einem Brief die Besatzungsmacht als Feind
bezeichnet hatte. Der Wissenschaftler wurde am 15. Februar 1941 in
Leeuwarden vom SD verhaftet und am 7. Mai 1941 nach Sachsenhausen
überstellt. In Sachsenhausen soll er für die Mithäftlinge Vorlesungen
gehalten haben. Am 9. Dezember 1941 starb Polak, einen Tag nach einer Operation durch physische Erschöpfung beim Tragen von Steinen. Er wurde auf dem Gräberfeld der
Sachsenhausen-Häftlinge auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof beigesetzt.
Vier Verwandte von Leonard Polak wurden in Vernichtungslager deportiert
und dort ermordet. Seine Ehefrau Henriette war zunächst von der
Deportation zurückgestellt worden, wurde aber bei der „großen Razzia“
vom 20. Juni 1943 festgenommen und im „Durchgangslager Westerbork“
interniert. Sie kam durch eine Intervention noch einmal frei und konnte
bis zur Befreiung untertauchen. Mit ihr überlebten auch ihre älteste und ihre jüngste Tochter.

Anna Aleida Alma-Heijnen (Lie Heijnen)

Anna Aleida Heijnen wurde am 8. Januar 1909 in Emmen geboren. Sie war von
1933 bis 1938 mit dem Wehrdienstverweigerer und Anarchisten Siert
Tillema verheiratet. Sie engagierte sich im Friedenskomitee und im
„Wereld Vrouwen Comité“ und war als Lehrerin tätig. Im März 1935 trennte
sie sich von ihrem Mann und zog nach Amsterdam. Da sie noch nicht
geschieden war, konnte sie nicht mehr als Lehrerin arbeiten und war
deswegen auf Gelegenheitsarbeiten angewiesen. Ende 1935 war sie als Sekretärin
im Büro von Selma Meijer tätig, später arbeitete sie bei einem Zahnarzt. 1936
war die Aktivistin als Propagandistin für das W.K. tätig und nahm in
dieser Funktion an einer Delegationsreise nach Wuppertal teil.
Anschließend trat sie als Versammlungsrednerin in den Niederlanden auf.
Neben dem Engagement für das W.K. war sie vor allem im
„Internationalen Frauenbund für Frieden und Freiheit“ (IVVV) engagiert.
Zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit wurde die Solidaritätsarbeit mit
Spanien.
1936 war sie Vorsitzende der „Commissie Hulp aan Spanje“ und
nahm 1935, 1937 und 1939 an Delegationen nach Spanien teil. Von 1937
bis Anfang 1940 war sie die Vorsitzende des „Wereld-Vrouwen Comités“
(WVC) gegen Krieg und Faschismus in Amsterdam und Redakteurin des
Monats-Organs „Vrouwen“. Im WVC hatten kommunistische Frauen großen
Einfluss, wie sich Lie Heijnen später erinnerte. Sie selbst sei aber nie

Mitglied der CPN geworden. Als Delegierte des WVC wurde sie 1935 nach
Saarbrücken entsandt, um die Saarabstimmung zu beobachten. Unter ihrer
Leitung führte das WVC 1938 Protestaktionen gegen die Hinrichtung von
Liselotte Hermanns durch, die als erste Widerstandskämpferin zum Tode
verurteilt wurde. 1940 heiratete sie den Kunstmaler Peter Alma. 1941
wurde ihre Tochter geboren.

Heraus aus dem Winterschlaf!

Die 4. Woche meldet sich aus der Winterpause zurück und lädt zum
öffentlichen Kochen und Speisen in die Elberfelder Nordstadt ein.

Freitag, 23. März 2012 ab 16:00 Uhr auf dem Schusterplatz

Wir haben vor 3 Jahren auf dem Schuster- und Otto-Böhne-Platz in
Wuppertal das Projekt „La quarta settimana“, die vierte Woche begonnen.
Die Aktion ist inspiriert von den „Vierte Woche“-Aktionen der Prekären
in Italien, die – wie die meisten von uns – am Ende des Monats kaum oder
kein Geld mehr in der Tasche haben. Sie treffen sich regelmäßig in der
vierten Woche zu gemeinsamen Menüs und abschließenden Einkaufstouren und
Kinobummel, um ihr Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
durchzusetzen. Wir wollen uns ab jetzt jeden letzten Freitag im Monat
treffen, um in Zeiten von Hartz VI, schlechtbezahlter Kurz- und
Leiharbeit, Niedrigrenten und 1-Euro-Jobs, uns gemeinsam ein köstliches
Menü umsonst und draußen zu kochen. Hierzu sind Alle mit Kindern und
Enkelkindern herzlich eingeladen.

Laden wir unsere Nachbar*innen und Nachbarn ein, uns gemeinsam einen Ort
des Austauschs zu schaffen, gutes Essen in gemeinsamer öffentlicher
Runde sind die Voraussetzungen für einen Widerstand mit langem Atem,
wilden Aktionen und guten Argumenten.

Weg mit Hartz IV! Würdige Lebensverhältnisse für alle!

Sperrmüllfest am 29.Februar 2012

Invitation – Einladung – davetiye
Sperrmüllfest am 29.Februar 2012
ab 18:00 Uhr in der Brunnenstraße

Seit einigen Jahren geht das Wuppertaler Ordnungsamt mit seinen schlecht
verkleideten und schlecht bezahlten „Hilfssheriffs“ vom Kommunalen Ordnungsdienst „KOD“ willkürlich und autoritär gegen Sperrmüllsammler*innen aus dem In- und Ausland vor.
Um dem etwas entgegen zu setzen, feiern wir den Tausch von allen möglichen
Gütern in Form von Sperrmüll geben und Sperrmüll nehmen mit einem kleinen
Fest am Vorabend der Abholung in der Brunnenstraße. Statt froh zu sein, dass sich Ölberger*innen und Tourist*innen aus Barmen, Amerika und der Ukraine für unsere Sperrgüter interessieren, werden diese Menschen frecherweise kriminalisiert und diffamiert.
Die Hetze in den Medien, insbesondere der WZ (!) ist unsäglich. Menschen, die
im deutschen Wohlstandsmüll stöbern und davon ihren Lebensunterhalt
bestreiten müssen, werden als „Müllflederer” tituliert. Besonders
unverschämt ist es, die einheimischen Sperrmüllfreund*innen gegen die
Weitgereisten auszuspielen.

Die Stadt wagt es, in Zeiten von Hartz IV und Zwangsumzügen,
Ein-Euro-Zwangsdiensten und Sozialamtsschnüffler*innen, uns den freien Zugang
zum Sperrmüll zu begrenzen. Das Ordnungsamt, das dies umsetzen soll, laden wir dazu gerne in die Elberfelder Nordstadt ein, den Sperrmüll zu behüten. Denn dann werden sie an
diesem Mittwoch keine Zeit haben für ihre anderen fiesen Aufgaben, wie die
Beteiligung an Razzien gegen Schwarzarbeitende, Abschiebungen gegen sogenannte
Illegale/Papierlose und Schikanierung von Obdachlosen in den Wuppertaler
Konsummeilen. Und Sie werden sehr flink sein müssen, um all die Gartenzwerge, Sofas und
Computer zu bewachen, denn wir werden an diesem Mittwochabend ganz offensiv
unseren Anspruch auf freie Verteilung von sperrigen Gebrauchsgütern in der
Elberfelder Nordstadt durchsetzen.

Der*die eine stellt raus, der*die andere holt rein, was er*sie gebrauchen kann.
Diesen selbstverständlichen Vorgang wollen wir uns nicht vom Ordnungsamt
einschränken lassen.
Sich am Sperrmüll zu bedienen ist Umwelt-, Ressourcen- und
Geldbeutel-schonend!
Deshalb werden wir uns große Mühe machen, die Sperrmüllgeschenke ansprechend
auf unserer Festmeile in der Brunnenstraße zu präsentieren.
Wir machen all das, was verboten ist! Wir reichen günstigen Alkohol und
Ökosaft. Es wird gegrillt und Musik gemacht.

Eine Ausdehnung in alle Straßen auf dem schönen Ölberg ist ausdrücklich
erwünscht!

Wir rufen alle Anwohner*innen auf, gemeinsam mit uns das Fest zu feiern!

Drapiert eure Sperrgüter, präsentiert eure Altkleider im Kleiderschrank.
Keine Kriminalisierung von Gartenzwergen und Mülltourist*innen!
Mit Grillgut, Musik und schnellen Dieselfahrzeugen gegen den Kommunalen
Ordnungsdienst – KOD verpisst euch!
Alles für Alle und zwar umsonst!

Wuppertaler Castor-Mobilisierung!



Referer der letzten 24 Stunden:
  1. bewegung.taz.de (6)



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